Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Der Ursprung des Zunftwesens und die älteren Handwerkerverbände des Mittelalters
Person:
Eberstadt, Rudolph
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3029058
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3031022
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Zweiter Abschnitt. 
gezeichnet worden. Das Stadtrecht beginnt damit, daß es, nach einer 
kurzen Einleitung über den Stadtfrieden, dem Bischof alles Amts- 
recht in der Stadt zuschreibt. „Ein jeglich Meistertum der Stadt höret 
zu des Bischofs Gewalt, also daß die Amtsleute von ihm selber gesetzt 
werden oder von denen, die er dazu bestellt hat." Ein öffentliches 
d. h. die Gesamtinteressen der Einwohner betreffendes Amt soll er 
keinem übertragen, der nicht von der Familia des Gotteshauses, also 
ein Dienstpflichtiger ist. Die vier Beamten aber, die (neben dem 
Vogt) die Verwaltung der Stadt führen, soll der Bischof mit seiner 
Hand einsetzen; es sind dies der Schultheiß, der Burggraf, der 
Zöllner und der Münzmeister. Die niedrigen Beamten werden gemäß 
ihrer Unterordnung von den höheren Beamten eingesetzt. 
Über die Datierung des Stadtrechts vgl. Gaupp, Deutsche Stadtrechte. 
S. 90; H e gel, Deutsche Städte-Chroniken 9, S. 923; Arn old , Verfassungs- 
geschichte der deutschen Freistädte, Hamburg 1854, 1, S. 90 und 312 f.; 
Rietschel, Deutsche Zeitschrift für Geschichtswissenschaft, N. F. 1, 1896, 
S. 24. Über den Text des Stadtrechts selbst vgl. Caro, histor. Vierteljahrsschr. II, 
S. 72 ff.; Bloch, Zeitschr. f. Gesch. d. Oberrheins 1899, N. F. 14 S. 271 ff.; 
K eutgen, I-Iistor. Vierteljahrsschr. 1900, 3. Jahrg. S. 78. Den zutreffenden 
Ausführungen von Bloch, der den deutschen Text als eine Übersetzung des 
lateinischen ansieht, ist hier nichts hinzuzufügen. Neben den von B l o c h S. 274 
angeführten Stellen vgl. noch die Stelle hier unten S. 180, die deutlich als eine an 
die lateinische Konstruktion angelehnte Übersetzung erkennbar ist.  Über die 
Einsetzung der Beamten sagt das Stadtrecht: Omnes magistratus hujus civitatis 
ad episcopi spectant potestatem ita quod vel ipsemet eos instituet vel illi quos 
ipse statuit. majores enim ordinabunt minores prout sibi subjecti sunt. Nulli 
autem episcopus officium publicum committere debet nisi qui sit de familia 
ecclesie sue. quatuor autem officiatos in quibus urbis gubernatio consistit episcopus 
manu sua investit scilicet scultetum burcgravium thelonearium ct monete Magist- 
rum. Straßburger Urkunden-Buch hersg. von Wi e g a n d I, S. 467. G a u p p , 
Deutsche Stadtrechte I, S. 49.  Die Wendung „Officium publicum" zeigt, in 
Welchem Sinne das Beiwort publiculn gebraucht wurde; es bezeichnet keines- 
Wegs ein dem Volksrecht oder dem Recht der Freien angehöriges, sondern ein 
die Gesamtheit der Einwohner angehendes Amt. 
Im weiteren verzeichnet das Stadtrecht der Reihe nach die Rechte 
1. des Schultheißen, 2. des Burggrafen, 3. des Zöllners, 4. des Münz- 
meisters, 5. des Bischofs selber; eine Anordnung, durch die das ganze 
118 Artikel enthaltende Schriftstück in fünf genau abgegrenzte Ab- 
schnitte zerlegt wird. Dagegen fehlt  worauf ich, da es von anderer 
Seite nicht geschehen ist, besonders hinweisen will  eine Aufzeich- 
nung über das Recht des Vogts, somit auch über das Vogtding und 
die Dingschöffen. Wir hören von dem Vogt im wesentlichen nur,
        

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