Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Der Ursprung des Zunftwesens und die älteren Handwerkerverbände des Mittelalters
Person:
Eberstadt, Rudolph
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3029058
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3031014
Ämter. 
169 
Der Gerichtszins erscheint demnach hier als Abfindung für das dem 
Richter zustehende Gewette. An dem Gerichtsstand der Handwerker 
ändert sich hierdurch nichts; sie sind nach wie vor dingpflichtig 
vor dem grundherrlichen Gericht und haben bei unehrlichem Kauf 
die herkömmliche Strafe an den Kläger zu zahlen. 
Die Gewerbetreibenden entbehren übrigens zur Zeit der Urkunde 
jeder eigenen Organisation. Die Handwerker von St. Trond stehen 
unter hofrechtlicher Verfassung. Es sei noch bemerkt, daß die erste 
Erwähnung eines Handwerkerverbandes in dem gewerbetätigen Saint- 
Trond dem Jahre 1237 entstammt und eine kirchliche Bruderschaft, 
die der Walker und Tuchscherer, betrifft. Obermeister ist der Custos 
ecclesiae; unter ihm stehen vier Geschworene, die ihm den Eid zu 
leisten haben. Alle Streitigkeiten im Handwerk werden nach dem 
Rat des Custos geschlichtet. 
Cart. de Saint-Trond I, S. 193. Vgl. Mag. 
Bruderschaften und Zünfte in Saint-Trond s. oben 
1 74. 
Über 
die 
Straßburg. 
Die 
Beamtungen. 
Mit der Besprechung des Straßburger Stadtrechts erreichen wir 
den Mittelpunkt unserer Darstellung. Unter den in dem vorliegenden 
Abschnitt zu erwähnenden Zeugnissen kann sich keines mit dieser 
umfassendsten unter den deutschen Handwerksurkunden an Be- 
deutung messen. In unseren literaturgeschichtlichen Erörterungen 
haben wir gesehen, wie das Straßburger Recht  nach der ersten 
Drucklegung von der Wissenschaft kaum beachtet  zu Beginn des 
19. Jahrhunderts von der Zunftforschung aufgenommen und seitdem zu 
stets erneuten Untersuchungen herangezogen wurde (oben S. 29 und 40). 
Dem Wert der Urkunde würde es, wie ich glaube, kaum entsprochen 
haben, wenn ich dem bisher geübten Brauche folgend, einzelne Be- 
stimmungen herausgegriffen und diese einer Deutung unterworfen 
hätte. Vielmehr hielt ich es für allein richtig, die auf das Gewerbe 
bezüglichen Angaben des Stadtrechts im Zusammenhang zu behandeln 
und hierbei auf die verschiedenen, in der Literatur hervorgetretenen 
Auslegungen des näheren einzugehen. 
Das erste Straßburger Stadtrecht ist um das dritte Jahrzehnt 
des 12. Jahrhunderts  wie wir annehmen dürfen, nach 1129  auf-
        

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