Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Der Ursprung des Zunftwesens und die älteren Handwerkerverbände des Mittelalters
Person:
Eberstadt, Rudolph
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3029058
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3030934
Ämter. 
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weiligen Getreidepreis entsprach. Dies geschah vermittels der B a c k  
probe, deren Anordnung hier dem Burggrafen aufgetragen wird. 
Feststehend war hierbei, wie bemerkt, der Verkaufspreis des Brot- 
laibs; ferner der Mahllohn für das Getreide und der erlaubte Ge- 
schäftsgewinn (Backlohn) des Bäckers. Schwankend dagegen  
und im höchsten Grade schwankend; daher die monatliche Wieder- 
holung der Backprobe  war der Getreidepreis. 
Wenn es schon reichliche Schwierigkeiten bot, den rechten Ge- 
treidepreis auszumitteln, so blieben doch für den Bäcker noch genug 
Geschäftskniffe, oder mindestens der Verdacht derselben, bestehen; 
tatsächlich ist auch das Ausbeuteverhältnis zwischen Getreide, Mehl 
und Brot je nach dem Ausfall der Ernte verschieden, so daß eine 
schematische Feststellung nach dem Gewicht nur schwer und un- 
vollkommen durchzuführen war 1. Hier griff nun die Bestimmung 
über das Kaltwasserordal ein. Der entscheidende Nachdruck ist hierbei 
jedochbnicht auf das Ordal selbst, sondern, was bisher nicht berück- 
sichtigt Wurde, auf den Eid zu legen, der dem Ordal unbedingt 
voraufgehen mußte. Der mit der Anfertigung des gültigen Brotes 
betraute Bäcker hatte demnach zunächst einen förmlichen Eid  
über dessen Bedeutung im Mittelalter hier nichts zu sagen ist  zu 
schwören und sich dann noch, wenn sein Eid angezweifelt wurde, 
dem allerdings ungefährlichen Kaltwasserordal zu unterwerfen, das 
in der späteren Zeit in Wegfall kam. 
Die ganze Bestimmung hat also durchaus nichts ungewöhnliches. 
Hervorzuheben ist noch, daß sowohl die Anordnung der Backprobe 
wie die Bestrafung des Bäckers, der untergewichtiges Brot feil hält, 
dem Burggrafen aufgetragen ist. Der Burggraf hat täglich Gericht 
zu halten und nach dem Herkommen der Stadt Recht zu sprechen. 
Es ist bei den Bäckern weder eine Zunft noch auch irgendeine be- 
sondere Behörde oder Beamtung vorhanden. 
Urbis praefectus cottidie in judicio sedere debet secundum urbanorum 
justiciam. Meyer S. 312, Art. 6, ä 1. Vgl. Berner S. 96. Die ver- 
schiedenen Auslegungen der obigen Stelle sind verzeichnet bei Berner, der 
ihnen seinerseits noch einige neue hinzufügt (a. a. 0. S. 101). Richtig dagegen 
bei Stieda S. 37 (nach Gfrörer). 
1 Vgl. einen Versuch Karls V., eine Skala für Getreidepreis und Brot- 
gewicht für Paris aufzustellen, Met. I, S. 201. S. auch unten 5. Abschn. A. 
E b e r s t a d t , Ursprung des Zunftwesens. 
2. Aufl.
        

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