Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Der Ursprung des Zunftwesens und die älteren Handwerkerverbände des Mittelalters
Person:
Eberstadt, Rudolph
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3029058
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3030387
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Erster Abschnitt. 
Der Weg der zunftgeschichtlichen Forschung. 
Rechts überhaupt. Ein Verständnis für die Entwicklung des I-lof- 
rechts wird man bei Heineccius ebenso vergebens suchen wie bei 
Struvius oder bei den wackeren Kämpen, die die Urkundenkriege 
des Dr. Kyriander und Pater Brower fortsetzten. Die Auffassung 
jener Zeit wird gekennzeichnet durch die uns heute kaum verständ- 
liche Dürftigkeit der Belegstellen, die einer der kundigsten Gelehrten, 
H a l t a u s , für das Stichwort "Hofrecht" bringt; sie beziehen sich 
nur auf Hofamt und Abgaben und stechen auffallend ab von dem 
Reichtum der Behandlung, die der gleiche Verfasser dem Stichwort 
"Gemeines Recht" widmet. 
Allerdings hat das 18. Jahrhundert auch auf diesem Gebiet den 
Mann hervorgebracht, der die neue Erkenntnis anbahnte; es ist 
Justus Moeser. Seine Abhandlung: „Von dem Wichtigen 
Unterschied zwischen der Hörigkeit und Knechtschaft" bildet den 
ersten (Versuch, auf den Gegensatz beider Begriffe, "welche doch 
einen so starken Einfluß auf unsere deutsche Geschichte haben", 
hinzuweisen 1. Die weitere Erforschung des Hofrechts gehört in- 
des der neuen Schule an, die wohl bereits im 18. Jahrhundert ihr 
Werk begann, die aber erst im nächsten Zeitabschnitt zur Entfaltung 
gelangte. 
Die neue rechtsgeschichtliche Wissenschaft ist eine Schöpfung 
des 19. Jahrhunderts, und erst jetzt wird die Bedeutung der ver- 
schiedenen Rechtskreise untersucht. Eichhorn erkennt auf unserem 
Gebiet die Einwirkung von drei Rechtskreisen, dem römischen 
Recht, dem deutschen öffentlichen Recht und dem Hofrecht. Mit 
der Ermittlung des Anteils dieser drei Bereiche hatte sich die Zunft- 
forschung in der Folgezeit zu befassen. Bezüglich der Vertretung 
der römisch-rechtlichen Theorie kann man Eichhorn nur gerecht 
werden, wenn man den Stand der Zeitgeschichte berücksichtigt. 
Die römisch-rechtliche Theorie im Sinne des unmittelbaren Zu- 
sammenhangs der mittelalterlichen und der römischen Zünfte ge- 
hört nicht der deutschen, sondern der französischen Wissenschaft 
an. Die Pariser Literatur, in ihrer abgerundetsten Form bei L a m a r e, 
1 Patriotische Phantasien III, 3. Teil, S. 187. Vgl. auch J o a c him P o t  
gieß er, de statu Servorum apud Germanos, Lemgo 1736, der a. a. 0. be- 
merkt, daß das Römische Recht viele Vorzüge habe, aber doch auf deutsche 
Verhältnisse nicht allgemein anwendbar sei.
        

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