Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Lackier- und Dekorier-Technik für Metallindustrie, Kunstgewerbe und Handwerk
Person:
Zimmer, Fritz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3025828
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3026311
sich molekular derart zu verändern (Polymerisation), daß der ent- 
stehende Körper zusammen mit dem Harz zu einer festen Schicht ein- 
trocknet. 
2. Leinölfirnisse sind Flüssigkeiten, die durch chemische Veränderung 
gewisser pflanzlicher (trocknender) Oele hergestellt werden, ohne Zusatz 
irgendwelcher flüchtiger Lösungsmittel. Den Oellacken und Firnissen 
ist gemeinsam ihr Gehalt an metallischen Verbindungen, die die Eigen- 
schaft besitzen, oben genannte Sauerstoffwirkung auf das Oel und die 
dadurch hervorgerufene Trocknung, wenn auch nicht zu ermöglichen, 
so doch wesentlich zu beschleunigen (vgl. S i k k a t i v e). 
Geschichtliches. Der Name Lack stammt aus dem Sanskrit von 
dem Wort Laksha, d. i. hunderttausend, womit man die Menge der den 
Lack erzeugenden Insekten andeuten wollte. Die Erkenntnis der Tat- 
sache, daß gewisse Harze unter den schwierigsten Bedingungen der 
Zerstörung durch Fäulnis zu widerstehen vermögen, hatten sich schon 
die alten Aegypter zu eigen gemacht, indem sie ihre präparierten Leichen 
(Mumien) in Leinwand wickelten, die mit Harzlösungen getränkt war. 
Während diese Anwendungsart bereits den Grund zur H e r s t e l l u n g s- 
w e i s e von Lacken voraussetzt, bildet die Verwendungsart von Lacken 
bei den Chinesen und Japanern nur die V e rw e r t un g eines schon 
einen Lack darstellenden Naturproduktes. Bei den Japanern läßt sich 
die Lackindustrie bis etwa zum Jahre 392 zurückverfolgen. im 7. Jahr- 
hundert wurden Lackgegenstände als Steuerzahlung angenommen. ln 
der ersten Hälfte des 8. Jahrhunderts waren schon fünf verschiedene 
Lackfarben im Gebrauch, und das Einlegen von Perlmutter, sowie die 
Kunst, Gold, Silber, Kupfer und Leder zu lackieren, bekannt. Um 
1500 wurden verschiedene Methoden des Lackierens in China eingeführt. 
Die Glanzzeit der ostasiatischen Lackindustrie begann etwa um 1600. 
Von Europäern waren wahrscheinlich die Engländer die ersten, die aus 
ihren asiatischen Kolonien lackierte Gegenstände ins Mutterland brachten 
und Lacke herzustellen versuchten. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts 
versuchte man auch in Deutschland Harzlösungen zu machen; indessen 
läßt sich von eigentlicher Harzfabrikation vor Beginn des 19. Jahr- 
hunderts kaum sprechen. England und Holland waren die ersten Länder, 
die die Lacke in die Reihe der Handelsprodukte stellten. Nur zögernd 
folgte Deutschland und in den letzten 25 Jahren Amerika, das neben 
der Befriedigung des eigenen Bedarfs bald einen ausgedehnten Export 
nach allen Erdteilen entwickelte (vgl. Seeligman-Zieke). Zapon- 
la cke wurden als "Viktorialacke", "Kristalline" vor etwa 30 Jahren 
von dem Amerikaner Frederic Crane nach Deutschland gebracht. 
Cellonlacke werden erst in neuerer Zeit im großen Maßstabe 
hergestellt und haben sich für lmprägnierungszwecke bestens ein- 
gebürgert. Die Verwendung von S p i r i t u s l a c k e n ist sicher sehr 
alten Datums.
        

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