Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Glasmalerei
Person:
Fischer, Josef Ludwig
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2997556
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2998644
54 
da sie off-enbar als stilistische Spielerei angesehen wurde. Nur 
Geiges kommt in seinem gründlichen Werk-e: „Der alte Fenster- 
schmuck des Freiburger Münsters" darauf zu sprechen und zieht 
zum Vergleich einzelne Werk-e der Plastik (in Vezelay), der Nlalerei 
(in Montmorillon), des Emails (im ungarischen Nationalmuseum 
und in der Reichen Kapelle zu München) heran und hält sie für 
eine "starr schematische Darstellungsweise des Knochengerüstes", 
die sich bei den Augsburger Fenstern „zu einer vollständigen 
Loslösung von der eigentlichen Gestalt der Körperteil-e auswächst". 
Geiges hat mit diesen Vergleichen völlig recht. Allein, da die 
Augsburger Fenster als älteste Arbeit am Anfang der Entwick- 
lung stehen, erhebt sich die Frage: Aus welchem Kunstempfinden 
heraus ist dieses seltsame Motiv entstanden? Meines Erachtens 
hat erst die "Ausstellung von Meisterwerken mohammedanischer 
Kunst" Licht in die dunkle Herkunft jener Kunstsprache gebracht. 
Die Fenster des Domes zu Augsburg waren auf meine Veranlas-_ 
sung hin eb-en photographiert, da öffneten sich die Tore der Aus- 
stellungshallen in München und zahlreiche, bisher kaum oder gar 
nicht bekannte Kunstwerke konnten zum Vergleich und zur 
Hilfe beigezogen werden. Am reinsten fand sich das Spiralmotiv 
auf einem Stoff, der zwei Löwen darstellte. Die Knöchel zeigten 
die nämliche Spirale, wie wir sie auf den Fenstern des Augsburger 
Doms erblicken. Dieser Stoff ab-er stammte aus dem sassanidisch- 
persischen Kunstkreis. Daß diese Tatsache nicht vereinzelt oder 
wenigstens nicht ohne inneren Zusammenhang mit der Augsburger 
Formensprache erscheint, geht daraus hervor, daß sich die ge- 
samt-e Formg-ebung und das gesamte Empfinden für Ornament 
und Zeichnung der Augsburger Fenster aus dem sassanidisch- 
persischen Kunstkr-eis erklären läßt. Man braucht nur die Bronze- 
gefäße zu betrachten, die auf {der Ausstellung zu sehen waren und 
jetzt in dem prachtvollen Werk Sarre-Martin, Meisterwerke mo- 
hammedanischer Kunst, München 1912, abgebildet sind. Siehe 
z. B. Tafel 129. In__Persie_n hat sich das Spiralmotiv erhalten und 
in die byzantinische, wie mohammedanische Kunst eingenistet. 
So begegnen wir ihm auf einer Bronzekann-e des 6. Jahrhunderts, 
(siehe Tafel 129), auf dem Bruchstück einer Fließe (Tafel 110), auf 
Elfenbeinstücken (Tafel 253). Es wurde beibehalten auf spanisch- 
maurischen Brokaten, wie einer im Domschatz zu YVürzburg sich
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.