Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Glasmalerei
Person:
Fischer, Josef Ludwig
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2997556
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3003637
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zu halten vermocht. Wir reden nicht von jenem Belag, der als 
Eatina den Glasgemälden die stille und geheimnisvolle Stimmung 
gibt; es handelt sich vielmehr um jene Gläser, deren Oberfläche 
langsam verwittert. Auch das Schwarzlot steht nicht mit abso- 
luter Haltbarkeit da. Wir sehen von jenen Fällen aber, die auf 
schlechten Brand und sonstige Sorglosigkeit der alten Glasmaler 
zurückzuführen sind. Auch das Mittelalter mußte eben die 
Mischung von solider und oberflächlicher Arbeit erleben. Wäh- 
rend auf den einen Fenstern das Schwarzlot noch fest auf dem 
Grund steht, kann es auf anderen Fenstern von dem unschuldigen 
Besen eines Fegers in seiner Existenz bedroht werden. Infolge der 
Einwirkung säurehaltiger Luft, insbesondere solcher, die mit schwef- 
liger Säure gemischt ist, entsteht durch die Zersetzung ein dicker 
weißer Belag, der die Durchsichtigkeit des Glases aufhebt. Orte, 
die starke Industrie aufweisen, sind solcher Zerstörung besonders 
gefährlich. Am meisten haben die Fenster der S. Sebaldkirche 
in Nürnberg gelitten, offenbar durch die reichlich in die Luft 
gewanderte schweflige Säure, die sich beim Schwefeln des Hop- 
fens entwickelt. Darum hat man sich eifrig mit der Frage be- 
schäftigt, ob diesem Zerstörungsprozeß Einhalt getan und ob 
vielleicht das Vernichtete erneuert werden kann. Bei besonders 
hart mitgenommenen Stücken war die Durchsicht völlig aufge- 
hoben, ohne eine Spur farbiger Wirkung. Der verwitterte Belag 
war lose auf dem Untergrund, hatte ein poröses, blasiges Aus- 
sehen und konnte leicht abfallen. Auf der Innenseite waren die 
Konturen nicht nur größtenteils verschwunden, sondern auch die 
wenigen Reste durch den Zerstörungsprozeß losgelöst und eben- 
falls stark verwittert. Man stellte nun in der Hofglasmalerei 
F. X. Zettler zu München umfassende Regenerierungsversuche 
an, die sich hauptsächlich auf die Möglichkeit des Wiederan- 
schmelzens der los gewordenen Bemalung bezogen. Es wurde 
daher der Gedanke einer Überglasung zu verwirklichen gesucht. 
Da sich das Glas zu einem neuerlichen Brand geeignet erwies, 
wurde an die Herstellung eines geeigneten Glasilusses geschritten. 
Die Proben führten zu einem guten Resultat, nachdem es auch 
gelungen war, das Ausscheiden des restigen Schwefelsäurekalkes 
aus dem verwitterten Glase beim Brand zu erzielen. Das Glas 
erhielt durch dieses Verfahren wieder seine frische Farbe und 
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