Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Gestalt des Menschen
Person:
Fritsch, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2989909
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2990936
welcher Stellung sich jedesnial die Bewegung weiter 
treiben lässt, als wenn das Bein gestreckt wird. 
Die Muskeln, welche die Bewegung ausführen, 
liegen zum grössten Theil von anderen Fleischmassen, 
wie dem grössten Gesässmuskel bedeckt, und nur ihr 
Endstück bleibt am äussersten Schenkelrand über dem 
grossen Rollhügel sichtbar. An diesem finden sie ihren 
Angriffspunkt. Sie bestehen aus dem mehr oberfläch- 
lich gelegenen mittlerenl) und dem tiefer gelegenen 
kleinsten (iesässmuskeP). Jener heftet sich ober- 
halb der äusseren Bogenlinie, dieser unterhalb der- 
selben Linie a11 der äusseren Darmbeinflitche an. 
Da der kleinste Gesässmuskel zugleich den Schenkel 
etwas nach innen zu drehen und zu beugen sucht, so 
werden dem entgegemvirkende Muskeln gleichzeitig mit 
in's Spiel kommen. 
Die Veränderung des Reliefs ist zum geringsten 
Theil von den unmittelbar bei der Abduction thätigen 
Muskeln abhängig, als vielmehr von dem Kampf zwischen 
den Beugern und Streckern des Knie- und Hüftge- 
lenkes. Diesen fühlt man unmittelbar selbst an der 
Anstrengung, welche diese Bewegung begleitet, und 
welche sofort wegfallt, wenn man den Schenkel gleich- 
zeitig in die gebeugte Lage bringt. 
Von dem Mittelpunkt des Oberschenkelkopfes lässt 
sich zur Spitze des grossen Rollhügels eine gerade 
Linie ziehen, welche bei der aufrechten Stellung hori- 
zontal liegt. Wird der Schenkel abduciert, so dreht 
sich diese Linie um den ersteren Punkt, so dass der 
Rollhügel entsprechend dem Maass der Bewegung in 
die Höhe steigt. Die Lendenwirbelsäule krümmt sich 
Behufs des Aequilibrierens nach der Seite, auf welcher 
das Bein gehoben wird, und es macht sich in Folge 
dessen eine Abbiegungsfurche auf der Bauchtläche gel- 
tend, welche vom vorderen Ende des Leistenkanals 
zum Gipfelpunkt des Darmbeinkammes in die Höhe 
steigt. 
In Folge der forcierten Streckung klüftet sich der 
gerade Schenkelmuskel durch eine seichte Furche von 
dem äusseren dicken Schenkelmuskel ab, welche ober- 
halb des äusseren Knorren in die gespannte, etwas 
vorspringende Sehnentläche des zweiköpligen Schenkel- 
muskels übergeht. Der Spannmuskel der Schenkel- 
binde schwillt zu einem birnförmigen Wulst an, an 
dessen oberem Ende sich am Zusammenstoss mit dem 
Schneidermuskel über dem vorderen oberen Hüftbein- 
stachel eine kleine Grube bildet. Ebenso sinkt die 
Haut zwischen dem Fleisch des grössten Gesässmus- 
kels und dem grossen Rollhügel tiefer ein.  An der 
inneren Schenkeltläche grenzt sich die Gruppe der 
Beizieher (Adductoren) in Form einer tief liegenden, 
schief nach unten und aussen abfallenden dreiseitigen 
Fläche, von dem geraden Schenkelmuskel ab. 
Die 
gegenseitige Näherung der 
(die Adduction). 
Schenkel 
führen, wenn das Bein gleichzeitig etwas gehoben wird; 
dann schlägt man das eine über das andere. Die Sicher- 
heit des Stehens, die Einklemmung von äusseren Gegen- 
ständen zwischen die Beine, wie bei dem Reiten, Klet- 
tern u. s. w. verlangt zu der Adduction des vorher 
abducierten Beines unter Umständen einen betracht- 
liehen Aufwand von Kraft. 
Dem entsprechend ist auch die Masse der hierbei 
in's Spiel kommenden Muskeln (Fig. 116 und 117) eine 
sehr grosse. Sie zerfallt in drei an ihrer oberen An- 
heftungsstelle von einander getrennte Portionen, welche 
sich unten in eine gemeinschaftliche Sehne vereinigen. 
Diese erstreckt sich von der Knochenleiste des kleinen 
Rollhügels bis herab zu der des inneren Oberschenkel- 
knorrens. Die drei Muskeln 
liegen von hinten nach vornen Fis- 116- 
so, dass der hinterste (der  m1 w, yQ 
grosse3), welcher am machtig-   
sten ist, von dem grössereu, Ißiffh 
unteren Theil des verstopften  "idiiltltlilfß" 
Loches bis herab zum Sitzbein- '  Hilf"? a, 
knorren ausgeht und seine Bün- K?    v 
del in immer mehr gerader  p, i":  
Richtung längs jener ganzen W;    
Linie am Oberschenkelknochen    
in die gemeinschaftliche Sehne i,  i; 
einsenkt. Vor ihm liegt der   p, l? 
kurze Beizieher 4), welcher 1b   d]?  
vom vordersten Theil der äusse-  i" {l 
ren Schambeinfläche zum oberen i   
Theil der rauhen Oberschenkel- „fi   R 
linie herabzieht. Zumeist nach f"   
innen sendet, ebenfalls von der wir  
vorderen Schambogenfläche, zu- ,ll'  
nächst der Schambeinvereini-   
gung ausgehend, der lange kill"  
Beiziehers) seine Bündel  
schief abwärts zu dem tiefer I 
unten befindlichen Abschnitt der s ß 
rauben Linie. Diese ganze    
Gruppe unterstützt, wenn auch  
mit einiger Nebenwirkung, der  
vom Schambeinkamm ausgehende 
Kammmuskelö). Er heftet sich an die Knochenleiste 
des kleinen Rollhügels und hebt zugleich den Schenkel 
etwas gegen den Rumpf hin empor. 
Der Apparat, durch welchen das Bein gegen die 
Vorderflache des Rumpfes herauf bewegt, oder umge- 
kehrt der Rumpf wie bei dem Bücken gegen den Boden 
herabgezogen wird, besteht aus einem kräftigen Mus- 
kel, dem LendendarmbeinmuskeV). Er heftet sich 
oben an die Querfortsätze aller Lendenwirbel, sowie 
an die Körper des ersten bis vierten Lendenwirbels 
und des zwölften Brustwirbels. Sein rundlicher Strang 
lehnt sich nach aussen an die zweite von der Innen- 
ilache des Darmbeines bis zum Rippenrudiment des 
letzten Lendenwirbels ausgehende Portion an, tritt mit 
kann ohne Nebenbewegungen natürlich nicht weiter 
getrieben werden, als bis zur Berührung der beiden 
inneren Oberschenkelknorren. Das ist aber bei der 
aufrechten militärischen Stellung der Fall, welche als 
Ausgangspunkt der Beschreibung gewählt wurde. Ueber 
diese Grenze hinaus lässt sich die Adduction noch fort- 
Fig. 116. C Dannbeinkamm; K Kreuzbein; R (punktiert) 
der gerade Schenkelrnuskel, darunter G der Schenkelmuskel; 
V i der innere, Ve der äussere, dicke Schenkelmuskel; T die 
gemeinschaftliche Strecksehne; P der birnförmige Muskel; A b der 
kurze, At der lange Beizieher; Tf der Spanner der Schenkel- 
binde; Ge der mittlere Gesässmuskel; IP der Lenden-Darm- 
beinmuskel. 
medius. 
glutaeus 
minimus. 
glutaeus 
S) 
longus. 
Adductor brevis. 
ileopsoas. 
Adductox" magnus. 4) 
G) M. pectineus. 7) M. 
Adductor
        

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