Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Gestalt des Menschen
Person:
Fritsch, Gustav
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2989909
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2990911
Sitzbeinknorren kommende viereckige. 1) Sie sind durch 
ihren Ansatz hinten in der Nachbarschaft des Roll- 
hügels sämtlich als Auswärtsroller des Schenkels zu 
bezeichnen. 
Die eigentlichen Muskeln des Oberschenkels 
nehmen theils vom untern Beckenumfang theils am 
Oberschenkelkilochen selbst ihren Ursprung und bilden, 
meist lang gestreckt, die cylindrisch-conische Gestalt 
des Gliedes. Zu den Bewegungen, die vorher erwähnt 
wurden, kommt noch die Annäherung (Adduction) des 
Beines an die Längsachse, der die Spreizung der 
Schenkel (Abduction) unter Einfluss der gerade ab- 
wärts zum grossen Rollhügel verlaufenden Gesäss- 
muskeln, besonders des mittleren entgegenwirkt. 
Ausser dem vom Schambeinkamm entschieden nach 
aussen abwärts-zum Schenkel tretenden KammmuskeP) 
nehmen die in drei grosse Bündel 3) gesonderten An- 
zieher die ganze Innenseite der Schenkel ein und 
ziehen von der Umgebung der Schambeinfuge (livergie- 
rend bis zum inneren Gelenkkuorren herab. Zur Unter- 
stützung der Spreizung dient aussen ein kurzer aber 
gerade am Lebenden bei der Zusammenziehung recht 
auffallender Muskel, der durch die sehr starke Schenkel- 
binde auf das Glied wirktß) 
Die anderen am Becken- oder am Schenkelknochen 
selbst entspringenden Muskeln wirkendurch ihre An- 
sätze nicht sowohl auf den Schenkel selbst als den. 
Unterschenkel; hierzu gehört auch der von dem Darm- 
beinstachel schräg nach unten und innen verlaufende 
Schneidermuskelö), der häufig in der Contraction als 
ein leicht erhabenes Band erscheint. Die Wirkung 
wird unterstützt durch den nicht schräg sondern ge- 
rade von der Schambeinfuge abwärts ziehenden schlan- 
ken Muskelö). Er rollt den Schenkel unter Erhebung 
des Unterschenkels nach aussen. Die Anzieher wer- 
den an Mächtigkeit noch überboten durch einen vier- 
theiligen Muskel, der die Streckung des Unterschen- 
kels bewirkt und die ganze vordere Seite des Gliedes 
einnimmt. Die Theile verdienen wohl den Namen der 
"mächtigen" Muskeln, den ihnen die Anatomie giebt7). 
Sie entspringen am Schenkelbein selbst bis hinauf zum 
grossen Rollhügel und vereinigen ihre Sehnen in der 
Gegend der Kniescheibe, wo sich auch der vierte am 
selbständigsten auftretende Theils) vom untern Darm- 
beinstachel herkommend sehnig anschliesst. 
Die Kniescheibe ist in der That als ein grosses 
Erbsen- oder Sesambein zu betrachten, welche so ein- 
geschaltet ist, dass die Streckwirkung der Muskeln 
über das Gelenk auf den Unterschenkel fortgeleitet 
werden kann; das sogenannte Kniescheibenband, 
welches sich an den Schienbeinhöcker ansetztg), ist die 
eigentliche Endsehne des viertheiligen Streckers. 
An der Schenkelrückseite müssen wir die Gegen- 
muskeln, die Beuger des Unterschenkels finden. Sie 
entspringen sämmtlich vom Sitzbeinhöcker und weichen 
nach unten auseinander, indem der halbsehnige und 
der halbhäutige Muskel w) die Innenseite des Schien- 
beins, der zweiköpfige Muskel") durch einen vom 
Schenkelbein selbst kommenden kurzen Kopf verstärkt, 
das Köpfchen des Wadenbeins als Ansatz wählt. So 
1) M. quadratus femoris. 2) M. pectineus. 3) Adductor 
brevis, longus et magnus. 4) M. tensor fasciae latae. 5) M. sar- 
torius. G) M. gracilis. 7) M. vastus externus, internus et me- 
dius sive cruralis. B) M. rectus femoris. 9) Ligamentum pa- 
tellare proprium. 1") M. semitendinosus et semimenbranosus. 
1') M, biceps femoris. 
Frifsch-Ilarless, Die Gestalt des Menschen. 
entsteht eine locker ausgefüllte Grube zwischen den 
unteren Muskelenden, dieliniekehle. 
Die Muskeln des Unterschenkels sind erheblich 
einfacher als die des Unterarmes, wiederum im Zu- 
sammenhang mit der-vereinfachten Beweglichkeit, bei 
der die als Supination und Pronation bezeichnete 
Drehung um die Längachse fortfällt. 
Die Strccker des Fusses gruppieren sich auch an 
der iiusseren hier zugleich vorderen Seite des Gliedes, 
kommen aber nicht vom äusseren Gelenkknorren, son- 
dern die Ursprünge sind nach abwärts an das Schien- 
und Wadenbein sowie an die Zwischenknochenhaut ge- 
rückt. Wir finden an dem Schienbein anliegend den 
vorderen Schienbeinmuskel 12) mit seinem Ansatz am 
Mittelfussknochen der grossen Zehe und dem ersten 
Keilbein, daneben den langen gemeinsamen Strecker 
der Zehen bis zu den Endgliedern der Zehen herab- 
steigend und dazwischen schiebt sich der besondere 
Strecker der grossen Zehe ein mit gleichem Verlauf, 
aber durch ein besonderes Fach der Kreuzbänder auf 
dem Rücken des Fusses geleitetm) 
Gehen wir um den Unterschenkel aussen weiter 
herum, so treffen wir zunächst auf die Wade11bein- 
muskeln, welche den Speichenmuskeln des Armes ent- 
sprechen, aber während der kürzere derselben 14) sich 
dem Speichenbeuger der Hand noch wohl vergleichen 
lässt, bekommt der lange Wadenbeinmuskel 15) dadurch 
einen eigenartigen Charakter, dass seine Sehne sich 
mit dem vorigen zusammen zwar unter dem äusseren 
Knöchel zum Fuss zieht, aber sich nun in die Fuss- 
sohlc schlägt, um am Mittelfussknochen der grossen 
Zehe zu enden. 
An der hinteren Seite fallen zunächst, eine statt- 
liche Anschwellung bildend, die grossen Wadenmuskeln 
auf, von denen die oberflächlichsten beiden Zwillings- 
muskeln m) der Wade ihren Ursprung bis auf die Gelenk- 
knorren hinaufschieben. Sie bedecken zwei unbedeuten- 
dere Muskeln, den Kniekehlenmuskel") und den langen 
Plantarmuskel 18), welche ihre Ursprünge an dem aus- 
seren Zwillingsmuskel anlagern; während aber der Knie- 
kehlenmuskel nach innen abwärts zur Schienbeinkante 
zieht, schliesst sich die lange Sehne des Plantarmus- 
kels der mächtigsten Sehne des ganzen Körpers, der 
Achillessehne an, welche die Fortsetzung des unter den 
Zwillingsmuskeln lagernden breiten Wadenmuskels bil- 
detw), die als geschlossener Strang am Fersenbein 
den Ansatz findet. Die Wirkung dieses mächtigen Mus- 
kels auf den Fuss entspricht der Beugung an der Hand, 
doch sind wir gewohnt sie als Streckung des Fusses 
(Plantarilexion) zu bezeichnen. 
Indem das Fersenbein weit nach hinten ausladet 
und die Achillessehne an einem verhältnismässig langen 
Hebelarm angreift, wird die Muskelkraft bedeutend 
vermehrt. Man sieht an den Seiten der vorspringen- 
den Sehne die Haut einsinken und bemerkt erheblich 
weiter links und rechts die Sehnen der tiefsten Mus- 
kelschicht, die nach Abtragung der grossen Waden- 
muskeln übersichtlich hervortreten. Es ist dies der 
Gegner des vorderen Schienbeinmuskelsw), der hier 
eingefasst wird von dem gemeinsamen langen Zehen- 
 M. tibialis anticus. m) M, extensor digitorum commu- 
nis longus, M. cxtensor hallucis longus. H) M. peroneus brevis. 
15) M. peroneus longus. 16) M. gastrocnemius ext. et internus. 
 M. popliteus. 18) M. plantaris longus. w) M. soleus. 
2D) M. tibialis posticus. 
9
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.