Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zehn Bücher über die Baukunst
Person:
Alberti, Leon Battista Theuer, Max
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2976852
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2981339
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Gottesglauben wohl rühren. Zweifellos ist es für die Pflege 
der Frömmigkeit sehr wichtig, Tempel zu haben, welche die 
Seele wunderbar erheben, und sie mit Wohlgefallen und Be- 
wunderung erfüllen. Erst dann, sagten die Alten, sei man 
wirklich fromm, wenn man die Tempel der Götter häufig be- 
suche. Deshalb möchte ich, daß der Tempel solche Schönheit 
besitze, daß man sich gar nichts Prächtigeres ausdenken kann, 
und ich wünsche ihn in jeder Beziehung derart ausgeführt, 
daß die Eintretenden verblüfft erschauern in Bewunderung 
all der Großartigkeit und sich kaum enthalten können, in 
Ausrufen zu gestehen, es sei wahrlich ein für Gott würdiger 
Ort, den sie erblicken. 
Allzugroße Die Milesier haben einen Tempel erbaut, sagt Strabo, der 
ntcgwrisgzä wegen seiner Größe ohne Dach blieb. Das billige ich nicht. 
Es rühmten sich die Samier, daß sie den größten aller Tempel 
hätten. Doch leugne ich nicht, er sei so anzulegen, daß er 
kaum größer gemacht werden kann. Denn der Schmuck ist 
etwas Unbegrenztes, und sogar bei ganz kleinen Tempeln 
bleibt etwas übrig, daß er immer den Anschein erweckt, man 
könne, ja man müsse etwas hinzufügen. Doch finden solche 
Gotteshäuser meine Zustimmung, die man sich nach der Aus- 
dehnung der Stadt nicht größer wünscht, ja durch ein zu weit- 
läufiges Innere fühle ich mich abgestoßen. Doch zunächst 
sollten die Tempel jene Eigenschaft besitzen, daß alles, was 
sich dem Auge darbietet, derart sei, daß man nicht leicht etwas 
Preiswürdigeres finden könnte, weder an Erfindung und 
Kunstfertigkeit der Künstler, noch an Eifer der Bürger bei 
Bestellung und Durchführung von besonders seltenen und 
hervorragenden Werken, und auch nichts, das größer an An- 
mut und Zier oder von unvergänglicherer Dauer sei. Hierfür 
muß man sowohl bei allen anderen öffentlichen und privaten 
Bauten, als insbesondere bei der Erbauung von Tempeln immer 
wieder in erhöhtem Maße sorgen. Denn wenn ein so großer 
Aufwand einmal gemacht wird, so muß er natürlich gegen die 
finstern Schicksalsmächte so geschützt als möglich sein, daß
        

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