Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zehn Bücher über die Baukunst
Person:
Alberti, Leon Battista Theuer, Max
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2976852
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2980888
 
Schmuck wird es auch sein, wenn ein besonders wunder- 
barer Stein an hervorstechender und bezeichnender Stelle an- 
gebracht wird. 
Auf der Insel Chennis in Ägypten ist das Heiligtum nicht 
deshalb so bewundernswert, weil das Dach aus einem ein- 
zigen Steine besteht, als daß auf so hohe Mauern ein Stein von 
solchem Gewicht aufgesetzt werden konnte 
Als Schmuck könnte auch die Seltenheit und Schönheit des 
Steines selbst dienen, sagen wir er sei aus einer Art Marmor, 
aus dem auch Nero den Tempel der Fortuna in seinem gol- 
denen Hause gebaut haben soll, rein, weiß und durchsichtig, 
so daß auch bei geschlossener Tür ein innen eingeschlossenes 
Licht sichtbar ist. 
Schließlich wird alles derart hierfür geeignet sein. Doch Halle Maß und 
alle diese Dinge mögen sein wie sie wollen, sie werden untaug- Ommmg 
lich sein, wenn man bei deren Zusammensetzung nicht Ord- 
__nung und Maß hält. Die einzelnen sind nämlich so der Zahl 
nach einzuteilen, idaß Gleiches Gleichem, Rechtes dem Linken, 
Oben dem Unten entspricht; nichts ist darunter zu mischen, 
was die Sache und die Ordnung stört. Alles ist nach bestimm- 
tem Winkel und nach gleicher Richtung abzuwägen. Man kann 
hierbei beobachten, wie manchmal ein gewöhnlicheres Mate- 
rial, kunstgerecht behandelt, eine bessere Wirkung erzielt, 
als ein anderesmal ein edleres Material, sinnlos aufgehäuft. 
Die Stadtmauer von Athen wurde, wie Thukydides schreibt, 
in größter Eile aufgeführt und dazu sogar Grabstatuen ver- 
wendet; wer wollte sie deshalb schön nennen, weil sie voll 
von verstümmelten Statuen steckt? Dagegen muß man die 
Mauern der Landhäuser unserer Vorfahren betrachten, die 
aus ungleichen, kleinen Steinen und allem möglichen zusam- 
mengetragenen Material aufgeführt sind, die, sobald sie ordent- 
lich ausgeführt sind, mit ihren abwechselnden weißen und 
schwarzen Streifen so geschmackvoll aussehen, daß man sich 
Besseres kaum wünschen möchte. Doch dies bezieht sich viel- 
leicht mehr auf jenen Teil der Wände, welcher Bekleidung ge-
        

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