Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zehn Bücher über die Baukunst
Person:
Alberti, Leon Battista Theuer, Max
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2976852
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2978325
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Die Wand aber selbst wird nach den Säulenmaßen auf- Die Wand 
geführt, so daß, wenn sie dieselbe Höhe wie die Säule samt dem 
Kapitäl haben wird, ihre Dicke so stark sein soll, wie die Säulen 
unten. Dann beachteten sie auch das, daß es keine Säule, keine 
Basis, kein Kapital und keine Wand gäbe, welche den übrigen 
der Reihe nicht in irgend einer Beziehung vollkommen ähnlich  
wäre, sei es nach der Höhe, Breite, endlich in jedem Maße und 
in ihrer Gestalt. Obzwar es immer ein Fehler ist, die Wand Ihre Fehler 
zu schmal oder zu dick, zu niedrig oder zu hoch gemacht zu 
haben, als es Regel und Maß erfordert, so möchte ich doch 
eher nach jener Richtung gefehlt wissen, daß man etwas 
wegnehmen kann, als daß man hinzufügen muß. Hier ist 
es auch angebracht, die Fehler der Bauten nicht zu über- 
gehen, damit wir vorsichtiger bei der Sache seien. Denn das 
höchste Lob ist es, frei zu sein von jedem Fehler. Dagegen 
ist mir bei der Peterskirche in Rom aufgefallen, was jedem Die Peters- 
auffallen muß, daß sie sehr leichtsinnig gebaut ist, deshalb, km1" i" Rom 
weil man über den zahlreichen sich aneinanderreihenden 
Öffnungen eine überlange und breite Wand zog, die durch 
gar keine Ausbauchungen verstärkt, durch keine Pfeiler ge- 
stützt ist. Man muß nur beobachtet haben, wie ein ganzer 
Flügel dieser Wand selbst durch die allzuhäufigen Öffnungen 
untergraben, fast in den Himmel ragt und so liegt, daß er 
den heftigen Nordwinden vollkommen ausgesetzt ist. Aus 
diesem Grunde wich er schon von allem Anfang an infolge 
der unablässigen Windstöße mehr als sechs Fuß vom Lot 
nach der Seite ab. 
Und ich zweifle nicht, daß er einmal nur durch einen leichten 
Anstoß und eine mächtige Bewegung zusammenstürzen wird. 
Wäre er nicht durch das Dachgebälk zusammengehalten, 
so würde er ohne Zweifel von selbst durch die bereits beginnende 
Neigung einstürzen. 
Doch dem Architekten möchte ich weniger Schuld geben, 
weil er ja nur der Notwendigkeit des Ortes und der Lage ge- 
folgt ist und sich vielleicht vor den Winden durch den vor-
        

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