Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Freitragende Holzbauten
Person:
Kersten, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2972933
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2975041
Zwei- 
Dreigelenkbogen. 
169 
Emyscher und de POrmescher Art. Abb. 360 zeigt einen Schnitt durch die Unter- 
gurtung und eine isometrische Darstellung der Befestigung der Gitterstäbe zwischen 
den senkrecht stehenden Bogenbrettern. Da es sich, wie schon einmal erwähnt, 
um nur geringe Stabkräfte handelt und da der Binder nur vorübergehenden 
Zwecken diente, konnte man sich mit einer solchen einfachen Befestigung begnügen. 
Bei dem durch Abb. 361 veranschaulichten Binderl) erscheint die Führung der 
angehängten Rohrputzdecke beachtenswert. Die Pfetten sind nach Bauweise Kallen- 
bach (S. 78) und die Bögen selbst nach Emyscher Bauweise durch Verleimen, Ver- 
nageln und Verbolzen der Bohlen ausgeführt. Beachtenswert ist auch die Hartholz- 
lagerung des Bogens. 
Abb. 362, 363 zeigen Hetzersche Ausführungen unter Verwendung von Klammer- 
dübeln (S. 43). Nach Abb. 363 schneiden sich die Nutzlinien des Untergurtes nicht 
in einem Punkte; die Kräfte der Füllstabe sind aber nur gering. 
Der in Abb. 364 dargestellte Binder der Stephansdach-Gesellschaft, Wien, ist 
insofern bemerkenswert, als der Bogen nicht einheitlich durchläuft, sondern in den 
Knotenpunkten durch Einschnitt gelenkartig zertrennt ist. Man hat es hier also 
 (von 
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1,7l 
1 l 
Abb. 
364. 
Riehtehalle der Wiener Karosserie- 
fabrik. 
Abb. 
365. Parabelbinder mit 
kreuzten Diagonalen. 
mehr mit einem Holzeisenfachwerk zu tun, dessen Anwendung gegenüber einem 
gewöhnlichen Bogendach nach Abb. 362 in technischer wie Wirtschaftlicher Beziehung 
aber nur bedingungsweise empfohlen werden möchte. Auch die weiteren Beispiele 
sind Ausführungen der Stephansdach-Gesellschaft. Zunächst zeigt der Binder der 
Abb. 365 gekreuzte Diagonalen. Der Obergurt ist ähnlich wie bei den bisherigen 
Bogenbindern ausgebildet; auch die Anschlüsse der Streben erfolgen in ähnlicher 
Weise. Das System selbst aber muß als veraltet bezeichnet werden. 
Zwei- 
und Dreigelenkbogen. 
Zunächst einige weitere Beispiele Stephanscher Bauart (vgl. S. 85). Die in 
Abb. 366 dargestellte Dachausführung ist insofern bemerkenswert, als es sich hier 
um-ein 40 m Weit gespanntes Bogendach für eine der städtischen Kraftwagenhallen 
der Gemeinde Wien handeltz). Die Binder der in Abb. 367 veranschaulichten Halle 
zeigen 42 m Spannweite. 
Abb. 371 zeigt ein im Jahre 1915 von der Stephansdach-G. m. b. H., Wien, aus- 
geführtes, 49 m weit gespanntes Bogendach für die Salpetersaureanlage der staat- 
lichen Pulverfabrik Blumau3). Auf der einen Seite ist ein festes, auf der anderen 
1) Die Grundlagen der statischen Berechnung sind in "Deutscher Zimmermann" 1926, S. 17, 
veröffentlicht. 
2) Im allgemeinen wird Holz auf Grund baupolizeilicher Vorschriften nur in seltenen Fällen für 
den Bau von großräumigen Kraftwagenschuppen zugelassen. 
3) Im Jahre 1918 fand in nächster Nähe dieses Hallenbaues eine große Explosion statt, durch welche 
viele Bauten beschädigt worden sind. Das Dach ist aber unversehrt geblieben und hat sich auch gegen- 
über den Säuredämpfen gut gehalten.
        

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