Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Reihenhaus-Fassaden
Person:
Hegemann, Werner
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2947683
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2947955
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Verbrämung mehrgeschossiger Bauten künst- 
lerische Wirkung zu erzielen glaubt, erscheint 
mir um nichts ehrwürdiger als die Ausschwei- 
fungen der Treppe in der laurentianischen 
Bibliothek zu Florenz oder als die dekorativen 
Schwülstigkeiten der römischen Porta Pia. 
Daß diese Dinge von Michel Angele stammen, 
entschädigt nicht dafür, daß sie peinlich sind 
und daß hohe Säulenordnungen mit dahinter 
verstauten Geschossen heute leicht wirken 
Fassade: 
den nur 
14. I VICENZA. PALAZZO CIIIEBIGATI 
Gegensatz zwischen den freistehenden, tragenden und 
als Fassaden  Schmuck dienen den vorgeklebten Säulen 
wie große, vieldurchlöcherte Käse, in denen 
sich Maden einnisteten. Das Peinliche, das man 
dabei empfindet, gehört wahrscheinlich in 
dieselbe Klasse wie das, was Goethe verständ- 
nämlich 
Bewohnern 
dahinter 
verstauten 
Räume das Gefühl von Gefangenschaft hinter den 
Stäben eines Käfigs geben. Das Haus steht im Gehäuse. 
Schon der antike Barock hat (z. B. in Balbeck) mit 
Mischungen von kleinen und Kolossal-Motiven ge- 
spielt. Die neuzeitliche Barockisierung mehrgeschos- 
siger Gebäude mittels kolossaler Säulen erinnert 
auch an die Notstandsbauten, die sich hinter den 
Säulenreihen alterTempel einnisteten (Abbßö). Als 
Michel Angele in seinem Entwurf für die Paläste 
auf dem römischen Capitol die äußere Erscheinung 
derartiger Notstandsbauten zu dekorativen Zwecken 
nachahmte, verdiente er sich den Titel des „genialen 
Maurermeisters", den ihm später Garnier, der Er- 
bauer der Pariser Großen Oper, beilegte. Dieses viel 
bewunderte und viel nachgeahmte michelangeleske 
Barock, das bis zum Überdruß mit der Verwen- 
dung der antiken Säulenhalle als "Motiv" zur 
lich machen wollte, als er schrieb (Vicenza, 
1 9.September 1 786): „Die höchste Schwierig- 
heit, mit der Palladio, wie alle neueren Archi- 
tekten, zu kämpfen hatte, ist die schickliche 
Anwendung der Säulenordnungen in der 
bürgerlichen Baukunst; denn Säulen und 
Mauern zu verbinden, bleibt doch immer ein 
Widerspruch". In einer anderen Fassung sagt 
Goethe: "Säulen und Mauern zu verbinden 
ist ohneUnschicklichkeit beynahe unmöglich." 
W as Goethe dabei besonders vorschwebte, zeigt 
ein Blick auf Abbildung 14; der Widerspruch 
zwischen den freistehenden Säulen des Erd- 
geschosses und der Flügelbauten gegenüber 
den vor die Wand geklebten Halbsäulen des 
mittleren Obergeschosses ruft unwillkürlicher 
(aber unberechtigter) Weise die Frage wach, 
0b etwa das mittlere Obergeschoß nachträg- 
lich zugebaut worden ist, um einen geschlos- 
senen Raum zu gewinnen, wie das bei alten 
Palästen nur zu oft geschah. 
Erträglich sind derartig rein ornamental ver- 
wendete Säulen noch einigermaßen, wenn sie 
mit wenigstens zwei Dritteln ihres Quer- 
schnittes vor der Mauer stehen; unerfreulich 
ist, wenn sie eingebaut wirken oder wenn 
starke wagerechte Verbindungsstücke in den 
heiligen Leib der Säule einschneiden und ihren 
freivvachsenden runden Stamm zum Stütz- 
15 I VICENZA. PALAZZÜ CHIERIGATI 
Ansicht vom Korso, die das Vorgeschustexte der „ Fassade " zeigt 
balken herabwürdigen, wie es hartgesottene 
Nachahmer des (von seinem Bewunderer 
Goethe deshalb getadelten) Palladio und des
        

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