Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Thorn Prikker und die neuere Glasmalerei
Person:
Hoff, August Prikker, Jan Thorn
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2942000
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2942343
mannsschule in Hagen. Eine reiche Verglasung mit Opalgläsern findet 
sich im Kunstgewerbemuseum in Köln. In duftigen zarten Tönen von 
großem Wohlklang sind die Fenster der Viktoriaschule in Essen gehalten, 
während der Glasteppich im Krupp-Baum des Magdeburger Museums 
komplizierte Formen und Rhythmen und ernsten Farbklang aufweist. S0 
ist die Bestimmung und der Charakter des Raumes thematischer Anreiz 
des Ornamentes. Mit einfachsten Mitteln, als Photomalerei bei sich stets 
wiederholendem Muster in Schwarzrot und Silbergelb, sind die hohen 
Fenster des "Yreppenhauses der Hagener Stadthalle zu reicher Wirkung 
gebracht. Besonders lehrreich für den Formvvandel nach dem Kriege sind 
etwa zehn kleinere Ornamentscheiben, hauptsächlich für die bekannte 
Sammlerin Frau Kröller-Müller, in wenigen Tönen Braun und Gelb 
mit Blumenmotiven. Es ist der Charakter von Blumen, nicht ihre Erschei- 
nungsform gegeben. Die Form wird immer einfacher, abstrakter; das 
Schwingen und Gleiten von Flächen gegeneinander ist hier im Ornament 
wie in den Fenstern der Kreuzesworte oder dem kreuztragenden Christus. 
YVie in der modernen Musik oder Poesie ein freierer Rhythmus einge- 
treten ist, so ist es auch in der abstrakten Malerei und besonders deut- 
lich bei Thorn Prikker. Davon sind im Treppenhausfenster des Hauses 
lsing in Bochum und im Musikzimmerfenster für Prof. Körner 
sprechende Beispiele. Alle Kunstgattungen der Zeit spiegeln ein gleiches 
Wollen. 
Tliorn Prikkers Schaffen hat das ganze Gebiet der Glasmalerei von 
heute sehr befruchtet und vielen Künstlern neue Bahnen gewiesen. Nicht 
nur seinen direkten Schülern vermittelte er den Begriff des Handwerks 
und der Kunst. Viel stärker noch wirkte sein Beispiel in die Breite. Er 
denkt vvie kein anderer im Material. Seine Farben schreibt er mit den 
Nummern der Hüttengläser in die farblosen Kartons, komponiert also im 
Kopf die vielen kleinen Farbflächen, wie es der Komponist mit seinen 
Tönen macht. Nur so wird vom Handwerker kein Aquarell in Glas über- 
tragen. Seine Zeichnung rechnet mit den technischen Hilfsmitteln und 
ihren Charaktereigenschaften. Alles steht auf der Werkzeichnung darauf, 
was der Handwerker machen muß. Eine große geistige Konzentration 
gehört zu solchem Schaffen. Meist greift man zu bequemeren Mitteln
        

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