Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Thorn Prikker und die neuere Glasmalerei
Person:
Hoff, August Prikker, Jan Thorn
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2942000
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2942214
der frühromanischen Glaskunst beginnen die stolzen Reihen der roma- 
nischen Fenster in den französischen Kathedralen und Kirchen und wie- 
derum auf deutschem Boden, alle die herrlichen Glaswunder von Chalons 
sur Marne, St. Denis, Le Mans, Poitiers, Chartres, Bourges und aus Peters- 
lahr, in St. Kunibert in Köln, Kappenberg, Soest, Marburg u. a. In diesen 
Fenstern vom 1 2. bis 1 5. Jahrhundert fühlen wir zunächst die Steigerung 
der farbigen Glut, die aber mit kühleren Gläsern als in der Gotik arbeitet. 
Zur Strenge der Formung gehört diese kühlere, kristallenere Leuchtkraft 
notwendig hinzu. Die Farbe wird rein symbolhaft auf ihren Klangwert 
und unnaturalistisch angewandt. S0 hat der große Christus der herrlichen 
Kreuzigung von Poitiers hellblaues Haar. Der symbolhaften Farbe ent- 
spricht die Auffassung der Form und des Inhaltes. Jede Figur ist Symbol 
und jede Szene. Es ist eine Kurzschrift für von allen Verstandenes. Aus 
tiefstem Gemeinschaftsbewußtsein, das in der gemeinsamen Weltauffassung 
begründet ist, schufen diese anonymen großen Meister ihre Monumente. 
Eindeutig ist jede große Gebärde der Gestalten, eindeutig stehen sie in der 
Bildebene darin. Aus geistiger Haltung heraus nur ist das flächenhafte 
Gestalten der Zeit zu verstehen und nicht aus technischem Mangel. 
Das Fenster wurde aber auch flächig behandelt aus dem Gefühl für 
die Funktion als räumlicher und geistiger Abschluß des Gotteshauses. Aus 
Scherben, aus Flächenstücken entsteht ein Fenster. So gibt auch das recht- 
verstandene Handwerk dem Künstler einen Anreiz zur flächenhaften Ge- 
staltung. 
Die Standfiguren von Augsburg oder von St. Kunibert sind Beispiele, 
wie sicher sich jede Gestalt als Stück der Architektur fühlt, wie keine ge- 
malten Architekturteile wie in späteren Fenstern die Verbindung mit dem 
Bau legitimieren müssen. Dieselbe Raumsicherheit zeigen die Aufteilungen 
der reicheren Fenster mit vielen Szenen in Medaillons oder anderen Unter- 
teilungen. Der Sinn für den gesamten Raum und seine architektonischen 
und geistigen Spannungen äußert sich auch in der farbigen Anordnung, 
Wie man z. B. in St. Kunibert den geistigen Höhepunkt im Legendenfenster 
über dem Altare auch in der farbigen Steigerung betont findet. 
Im Vergleich an den deutschen Fenstern sind die französischen stets har- 
monischer, ausgewogener in der Anordnung im großen wie im einzelnen.
        

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