Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch des Wohnungswesens und der Wohnungsfrage
Person:
Eberstadt, Rudolph
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2930467
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2938081
706 
Anhang II. 
Die allgemeinen Schätzungen des Wohnungsbedarfs gehen dahin, 
daß infolge des Stillliegens der privaten Bautätigkeit während des 
Krieges  in der Hauptsache wurde nur für kriegswichtige Bedürf- 
nisse gebaut  eine Mindererzeugung von 300000 Kleinwohnungen in 
England und 110000 Wohnungen in Schottland eingetreten sei; für die 
normale Bevölkerungsvermehrung sei ferner ein Zuwachs von 100000 
Wohnungen für 1 Jahr erforderlich. Insgesamt wird der Fehlbetrag 
für Groß-Britannien (England, Wales und Schottland) i. J. 1919 auf 
500 000 Kleinwohnungen veranschlagt, mit deren Herstellung erst der 
normale Wohnungsbestand des Königreichs erreicht wäre und auf deren 
Beschaffung sich die Bodenpolitik zunächst zu richten hat. Bei der Ein- 
bringung des Wohnungsgesetzes am 8. April 1919 ging Dr. Addison, 
President of the Local Government Board, von der Voraussetzung aus, 
daß im Finanzjahr 1919 (d. i. bis 1. April 1920) 100000 und in den 
Jahren 1920 und 1921 je 200000 Volkswohnungen hergestellt werden, 
deren durchschnittlicher Wert unter Berücksichtigung der gestiegenen 
Baukosten auf 5-600 f anzusetzen sei (s. genauer unten S. 707). Der 
zum Ausgleich der Baukosten-Überteuerung erforderliche Zuschuß würde 
auf eine Arbeiterwohnung wöchentlich 5 sh und bei- Herstellung der 
genannten Ziffer von 500000 Wohnungen jährlich 130 Mill. M. be- 
tragen, welche Summe in der oben erwähnten Verteilung durch Gemeinde 
und Staat aufzubringen ist.  
Die Anleihen für die Wohnungsbauten sollen seitens der Gemein- 
den regelmäßig am offenen Markte untergebracht werden; nur wenn eine 
Gemeinde außerstande ist, eine Anleihe aufzunehmen, wird der Staat 
eintreten (wie dies bei bestimmten Gemeinden für das in einem be- 
sonderen Gesetz behandelte Irland in Aussicht gestellt ist). Die Auf- 
nahmebedingungen für die Anleihen sollen derart bemessen sein, daß die 
Tilgung für die auf den Landerwerb entfallenden Beträge in 80 Jahren, 
für den Häuserbau in 60 Jahren, für die Kanalisation und Wasser- 
leitung in 30 Jahren, für Straßenbau in 20 Jahren erledigt ist. 
Während die Gemeinde grundsätzlich für den zureichenden Bau 
von Volkswohnungen zu sorgen hat, kann sie bei der Ausführung der 
Bauten selbst das private Baugewerbe heranziehen, indem sie gemäß 
der gesetzlichen Ermächtigung Verträge über den Wohnungsbau mit 
privaten Bauunternehmern abschließt. Für die Gemeinde mag dieses 
Vorgehen im einzelnen eine wesentliche Arbeitsersparnis bedeuten, indem 
sich die Tätigkeit der Gemeinde auf die Einreichung der Unterlagen 
für den regierungsseitig zu genehmigenden Bauvorschlag beschränken 
kann, während die weiteren Verhandlungen bezüglich der Bauausführung 
mit der Aufsichtsbehörde durch den Bauunternehmer geführt werden 
können. 
Die Mitwirkung gemeinnütziger Gesellschaften (Public Utility socie- 
ties) soll durch Gewährung von Darlehen und Beihilfen gesichert werden. 
Für Bauzwecke können den Gesellschaften, falls sie das Baukapital nicht 
von privater Seite beschaffen, staatliche Darlehen in Höhe von 75 "Y, 
der gesamten Boden- und Baukosten (bisher 66173 2,) gewährt werden.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.