Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch des Wohnungswesens und der Wohnungsfrage
Person:
Eberstadt, Rudolph
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2930467
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2937607
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 Achter 
Teil. 
Städtebau und zur Erweckung der Teilnahme weiter Kreise werden 
Städtebauausstellungen veranstaltet, in denen Material zur Veranschau- 
lichung des gegenwärtigen Zustandes der Großstädte und seiner bessernden 
Behandlung geboten wird. Die Bauweise des amerikanischen Hauses 
wird von F. R. Vogel dargestellt, unter Schilderung der geschichtlichen 
Entwicklung der Hausforrnen der Baupraxis in der Gegenwart. Die 
planmäßige Ausgestaltung der Innenstadt und der Stadterweiterung 
bildet den Gegenstand von Schriften und Kommissionsberichten, von 
denen einzelne unten in der Literaturangabe aufgezählt sind. 
ä 154. Die Bodenpolitik der seit dem 19. Jahrhundert in den Bereich 
lebhafterer Entwicklung eintretenden Koloniallander hat namentlich auf 
dem Gebiete der Bodenbesteuerung und des Grundstücksverkehrs beson- 
dere Einrichtungen aufzuweisen, wie dies in der Eigenart der Siedelungs- 
Wirtschaft begründet ist. Die Einführung einer Grundbesitzsteuer auf 
Land, das spekulativ gekauft, aber nicht in Bebauung genommen wird, 
ist in Algier (nach Al'fred Zimmermann, Kolonialpolitik) schon 1846 
erfolgt. Eine umfassende gesetzgeberische Tätigkeit in den auf den 
Grundstücksverkehr bezüglichen Fragen hat Australien entfaltet. Im 
Jahre 1858 wurde in Südaustralien, als einem der ersten Länder briticher 
Verwaltung, das Grundbuch nach preußischem Muster durch die sogenannte 
Torrens Act eingeführt. (Die Priorität dürfte indes der britischen Siedelung 
Labuan zukommen, wo nach Morris, Land and Mortgage Registration, 
London 1875, S. _72 bereits 1849 die grundbuchliche Eintragung an- 
geordnet wurde). Zahlreich sind die australischen Gesetze, die sich 
gegen die Landspekulation und die mit der unentgeltlichen Vergabung 
von Land verbundenen Mißbräuche richten. Das obenerwähnte Par- 
zellierungssystem der Townships wurde in Canada durch die Landakte 
von 1886 eingeführt. Schilderungen unbefriedigender Wohnungszustände, 
namentlich aus Verfallswohnungen und Einwanderervierteln kanadischer 
Städte werden unter Beifügung von Abbildungen veröffentlicht von 
Chas. A. Hodgetts in den Berichten der Commission of Conservation 
of Oanada. Städtebaugesetze nach dem Vorbild des englischen Gesetzes 
von 1909 sind 1916 erlassen worden in Neuschottland, Neubraunschweig 
und Alberta und vorbereitet in Saskatchewan, Ontario, Quebec und Manitoba. 
 Für Neuseeland erging i. J. 1905 ein Arbeiterwohnungsgesetz, 
das die Regierung ermächtigt, Grundbesitz zu erwerben oder zu ver- 
wenden, um Arbeiterwohnungen zu errichten. Die Wohnhäuser dürfen 
nur an Arbeiter abgegeben werden, die gegen Lohn beschäftigt sind, 
nicht mehr als 200 f jährliches Einkommen haben, selber kein Land 
besitzen und ein Zeugnis des guten Leumunds und der Würdigkeit bei- 
bringen. Ein Ergänzungsgesetz bevollmächtigt die Regierung, aus Staats- 
mitteln Arbeitern, die selber ein Haus erbauen wollen, Darlehen bis zu 
350 f zu gewähren. Das Darlehen darf jedoch den dreifachen Betrag 
des Bodenwertes nicht übersteigen, so daß Boden- und Bauwert sich 
wie 1:3 verhalten müssen (z. B. auf 100 f Bodenwert ein Darlehen 
von 300 f). Bei einer Annuität von 5 "[0 wird das Darlehen in 36 Jahren 
getilgt; frühere Rückzahlung ist zulässig (Thompson, Housing Hand- 
book II, S. 232).
        

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