Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch des Wohnungswesens und der Wohnungsfrage
Person:
Eberstadt, Rudolph
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2930467
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2937085
606 
Achter 
Teil. 
Die weitgehendste Reform der städtischen Wohnweise wird ver- 
treten durch die Gartenstadt. Die von Howard gegebenen Anregungen 
(s. oben S. 481) sind zur praktischen Durchführung gelangt in der First 
Garden City, die in Letchworth (45 km nördl. London) gegründet wurde 
und deren Ausbau auf 1876 Häuser mit 8200 Bewohnern vorgeschritten 
ist. Während die eigentlichen Gartenstädte grundsätzlich als neue selb- 
ständige Siedelungen und als abgesonderte Städte angelegt wurden, 
erschien es unter den heutigen Verhältnissen als eine fast noch wichtigere 
Aufgabe, die neuen Formen der Stadtanlage in Verbindung mit den 
vorhandenen Städten zu bringen und unmittelbar in dem Erweiterungs- 
gebiet einer Großstadt die Möglichkeit veränderter Bebauung zu zeigen. 
Als erste einer solchen an eine bestehende Stadtanzugliedernden Stadt- 
erweiterung wurde i. J. 1909 in einem Großlondoner Vorort die Garten- 
vorstadt Hampstead angelegt. Die Gartenvorstadt liegt im nördlichen 
Stadterweiterungsbezirk, mit Inner-London durch Straßenbahnen, Motor- 
omnibus und den Schnellverkehr der Tiefbahn verbunden, die in 
20 Minuten Fahrzeit nach den Hauptverkehrsbezirken führt und an das 
gesamte Netz der innenstädtischen Verkehrsmittel anschließt. Der 
Bereich der Gartenvorstadt umfaßt 652 acres : rund 260 ha. Die 
Ausarbeitung des Bebauungsplanes ist das Werk der Architekten Harry 
Parker und Rayrnond Unwin, denen für einzelne Platzanlagen Edwin 
L. Lutjens hinzutrat; vgl. den Bebauungsplan Abb. 148. 
In der Straßenfülirizng ist der Bodengestaltung entsprechend die 
Längslinie energisch betont. Die Aufteilung des Wohngeländes erfolgt 
zum Teil durch Nebenstraßen; überaus häufig aber findet sich die An- 
Wendung der alten Sackgasse und des Wohnhofs in einer dem neuzeit-- 
lichen Städtebau entsprechenden Form. In einer ganzen Reihe von Ab- 
wandlungen und Wiederholungen ist die Sackgasse eingefügt und überall 
mit ansprechender Wirkung. In_ unserer Abb. 24 (oben S. 248) finden 
wir übrigens, wenn wir sie auf den Maßstab großer Weiträumigkeit 
verbreitern, das alte deutsche Vorbild für die Hofgassen der neuen 
Gartenvorstadt. 
Für den Häuserbau in Hampstead wird die offene Bauweise bei 
den größeren Hausbauten wohlhabender Bewohner, im übrigen aber der 
geschlossene Reihenbau angewendet. Eine bei dem Reihenbau überaus 
häufig wiederkehrende Anordnung ist die Schaffung rechteckiger Frei- 
flächen, die an drei Seiten von Gebäuden umgeben sind (vgl. Abb. 137). 
"Die den Platz einfassenden Gebäude sind durchweg einheitlich be- 
handelt in Anlehnung an den im älteren Städtebau herausgearbeiteten 
Effekt der symmetrischen Bauweise, oben S. 62 und 69 f. Als Organi- 
sationsform wurde seitens der Unternehmer die Treuhänderschaft (Trust) 
"gewählt. Ihrer Geschäftstätigkeit nach ist die Treuhanderschaft im 
wesentlichen eine Bodengesellschaft, die sich der Aufschließung ihres 
Grundbesitzes widmet. Der Häuserbau selbst ist Sache derjenigen, die 
ein Grundstück in Baupacht erwerben, oder der Baugenossenschaften. 
 Unter den auf dem Gebiete der Gartenvorstadt arbeitenden Gesell-  
schaften ist zuerst zu nennen die Hampstead Tenants Iiimited, eine 
Mietergenossenschaft der sich neuerdings in England stark ausbreitenden 
Form und die Garden Suburb Development Co., die sich mit der Kapital- 
beschaffung, dem Entwerfen und der Ausführung von Bauten befaßt.
        

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