Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch des Wohnungswesens und der Wohnungsfrage
Person:
Eberstadt, Rudolph
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2930467
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2936903
588 
Achter 
Teil. 
Großstädte sind 1801, außer London, überhaupt nicht vorhanden. 
Während 1801 die Städte mit mehr als 20000 Einwohnern erst 17170 
der Bevölkerung umfassen, ist der Prozentanteil bis 1851 auf ßöojo 
gestiegen, wobei in diesen Jahren noch etwa ein Gleichstand zwischen 
städtischer und ländlicher Bevölkerung erhalten geblieben ist. Die fol- 
genden Zählperioden kennzeichnen sich durch das rasche Anwachsen 
der größeren und Großstädte und das Zurückweichen des Anteils der 
ländlichen Bevölkerung, bis ein Verhältnis zwischen Stadt und Land 
von 72 Ojo zu 28 ofo erreicht wird. 
Unter dieser vollständigen Umwälzung der Besiedelungsverhält- 
nisse und der oben S. 583 erwähnten Verschiebung in der Städte- 
bildung blieb gleichwohl in den völlig neu entstehenden Wohngebieten, 
wenn auch unter städtebaulichen Mängeln, die überlieferte Hausform 
des Einfamilienhauses erhalten. Von 1801-1851, dem Abschnitt des 
prozentual stärksten städtischen Wachstums, geht die Zahl der auf ein 
Grundstück entfallenden Wohnungen zurück. Nach einem vorüber- 
gehenden Ansteigen während des Zeitraums 1851f61  es waren die 
Jahre, in denen das sogenannte model-dwelling, ein mehrgeschossiges 
Vielwohnungshaus, nach den in Frankreich empfangenen Anregungen in 
den englischen Großstädten eine kurze Zeit des Beifalls erlebte  
sinkt die Wohnungsdichte stetig und ist i. J. 1901 niedriger als 100 
Jahre zuvor. Die Zahl der auf ein bewohntes Grundstück entfallenden 
Wohnungen ergibt während des Zeitabschnitts von 1801-1911 fol- 
gende Reihe, die den Gegensatz zu den meisten anderen Ländern in 
der Zeit der größten bevölkerungstechnischen Umwälzungen kenn- 
zeichnet:  
Familien auf 
1 bewohnt. Haus 
1801 
1,20 
1811 
1,19 
1821 
1,19 
1831 
1,17 
1851 
1,13 
1861 
1,20 
1871 
1,19 
1881 
1,17 
1901 
1,12 
1911 
1,12 
Aus den Einzelheiten des Zeitabschnitte sei bemerkt, daß die Ge- 
samtzahl der bewohnten Häuser von 1 870 476 i. J. 1801 auf 2866 595 
i. J. 1831 stieg, ein Zuwachs von 1 Mill. Gebäuden oder 50 ofo in drei 
Jahrzehnten. Als eine der Ursachen für die Beibehaltung des Klein- 
hauses wird in älteren Schriften die bis in die lllitte des 19. Jahr- 
hunderts bestehende Fenstersteuer erwähnt, die die Kleinhäuser mit nicht 
mehr als sieben Fenstern freiließ (Meidinger, Das britische Reich in 
Europa, Leipzig 185], S. 72, der auch auf den Zoll auf Hausbalken 
und die baupolizeiliche Beschränkung der Bauhöhe als Hemmungen für 
die Errichtung großer Hausformen hinweist). Indes hat die Befreiung 
von der Fenstersteuer nur die Bedeutung einer Begünstigung der-Geringst- 
wohnung; der Gesamtverlauf der Entwicklung wurde hierdurch nicht 
bestimmt.  
Inmitten der Neugestaltung der städtischen Bauweise 
seine Gesetzgebung über Wohnungswesen und Städtebau. 
Q 134. 
schuf England
        

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