Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch des Wohnungswesens und der Wohnungsfrage
Person:
Eberstadt, Rudolph
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2930467
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2936342
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Siebenter Teil. 
geschriebenen Wettbewerb wurden die Entwürfe von Herm. Jansen, 
Herrn. Muthesius und D. und W. Schultze-Dortmund pramiiert. 
In der Umgebung von Berlin finden sich einige von Arbeitgebern 
erbauten Wßhnhausanlagen. Zu den ältesten mir hier bekannt gewordenen 
Arbeitgeberbauten zählt eine Häuserreihe in Niederschönexrveide, die als 
"Spindlerwohnungen" bezeichnet werden und von der Firma W. Spindler 
in den Jahren x1_873-1878 errichtet wurden. Die Hauser enthalten 
Kleinwohnungen von Stube, Kammer und Küche, sowie Mittelwohnungeni, 
die heute teils an bei der Firma Spindler beschäftigte, teils auch an 
andere Arbeiter vermietet werden. Unter den größeren Siedelungen sind 
die von dem Mörtelwerk Guthmann bei Königswusterhausen angelegten 
Kleinwohnungsbauten zu nennen. Die Anlage entstammt verschiedenen 
Bauabschnitten und bietet in den neueren Bauten günstige Wohnungen 
init zureichenden Wohnräumen und einer Landzugabe. Als eine umfang- 
reiche Anlage ist die von der Maschinenbauanstalt Schwartzkopff in 
Wildau, nahe bei Berlin erbaute Ärbeiterkolonie zu erwähnen.  Wenn 
für Oberschlesien die in früheren Jahren dort überwiegend angewandte 
Form des Vielwohnungshauses damit gerechtfertigt wird, daß „bei den 
Arbeiterfarnilien etwas Zank und Klatsch zu den lieben Tagesgewohn- 
heiten gehöre" (Seidl, Arbeiterwohnungswesen, S. 55), so bedarf eine 
solche Auffassung schwerlich der Widerlegung. Die Äußerung erinnert 
an das Wort eines Vertreters der Hausbesitzer, der der Gemeinsamkeit 
des Aborts für mehrere Familien nachrühmte, daß sie "eine erzieherische 
Wirkung" ausübe. Vgl. hierzu die Beurteilung der Wohnverhaltnisse, 
oben S. 490.  Eine umfangreiche Arbeiterkolonie im Walde hat die 
Ggwerkschaft Georg von Giesches Erben in Gieschewald unter Verwen- 
duifgß des Kleinhauses "angelegt. Vgl. auch die Abbildungen der von 
der Leinenweberei Hamburger in Landeshut i. Schl. durch die Architekten 
R. und P. Ehrlich errichteten Arbeitersiedelung; Zentralbl. d. Bau- 
verwaltung 1910, S. 404.  Arbeitersiedelungen großen Umfangs wurden 
durch die Oberschlesische  angelegt. Die Arbeiter- 
wohnungen Wurden, soweit Gelände vorhanden ist, mit Gartenstücken 
ausgestattet; den Siedlern werden zur Anpflanzung Blumen- und Ge- 
müsepflanzen durch einen angestellten Gärtner unentgeltlich geliefert; 
vgl. Abb. in Deutsche Industrie, Oberbedarfs-Nr. Unter den Anlagen 
von größerer Bedeutung, ist die Siedelung Marge. zu erwähnen, die 
für die Ilse-Bergbau-A-G. durch den Architekten G. v. Meyenburg 
in ansprechenden Formen erbaut wurde. Als mustergültig wird in den 
Berichten der Gewerbeaufsichtsbeamten die von der Porzellanfabrik 
Kolmar i. P. errichtete Rentengutskolonie bezeichnet, für deren Klein- 
häuser bei einem Kaufpreis von 4000 M. und einer jährlichen Verzinsung 
von _15_7H M. die Firma.  M. zinsfrei gewahrt. 
Wegen der zweckmäßigen Einrichtung ihrer Zweifamilienhäuser wird 
die Arbeiterkolonie der Papierfabrik Sacrau. (Regierungsbezirk Breslau) 
erwähnt; a. a. O. 1914, I, S. 160 und 193.  
Die großen volkswirtschaftlichen und politischen Probleme, die in 
dem Kohlenbergbau seit dem Jahre 1919 hervortreten, haben für 
den Wohnungsbau der Arbeitgeber eine neue Wendung gebracht. Die 
Einführung einer verkürzten Arbeitszeit, der Rückgang der Arbeitsleistung
        

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