Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch des Wohnungswesens und der Wohnungsfrage
Person:
Eberstadt, Rudolph
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2930467
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2934354
Bauord nun g. 
333 
Auch bei der Randbebauung ist zwischen vielgeschossiger Aus- 
nutzung und Flachbau zu unterscheiden. Es ist nicht möglich, bei ver- 
tikal gedrängter Bauweise ruhige Innenhöfe für Kleinwohnungen 
und Arbeiterwohnungen zu "schaffen. Die Innenhöfe bei der Randbebauung 
unserer alten Städte waren ruhig, weil sie von Patrizierhäusern, Spei- 
chern, Lagergebäuden umgeben waren. Die Übertragung der Eigen- 
heiten der großen Hausformen auf die kleinen ist hier, wie überall, 
fehlerhaft. Gewiß ist es unzutreffend, anzunehmen, daß ein Baustellen- 
block. der von 200-300 Arbeiterfamilien in mehrstöckigen Gebäuden 
umwohnt ist, ruhige Innenflächen gleich den Patriziergärten bieten 
könne. Es handelt sich hier um eine der sogenannten Milderungen, 
die die gedrängte Bauweise, um sich zu rechtfertigen, verbringt und 
mit denen unser Städtebau seit Jahrzehnten immer wieder von seinen 
notwendigen Zielen abgelenkt wird. 
Zuerst wurde die „breite Straße" als eine Wohltat für die Be- 
völkerung gepriesen (Städtische Bodenfragen, S. 5); später empfahl man 
die breiten Innenhöfe. Weder das eine noch das andere kann die 
Nachteile der gedrangten Bauweise für die Wohnungsgestaltung auf- 
heben.  Anders verhalt es sich natürlich bei niedriger Bebauung 
(Flachbau) und bei dem Schutz von Flachbauzonen gegenüber dem Ein- 
dringen vielstöckiger Hintergebäude; hier mag die Festsetzung rück- 
wartiger Baulinien erforderlich sein. Der Glaube aber, daß durch die 
hintere Baufluchtlinie die Stockwerkshäufung als solche bei Klein- 
wohnungen erträglich gemacht werden könne, wird sich ebenso als irr- 
tümlich erweisen, wie der Glaube an die zahllosen anderen Baubeschrän- 
kungen, hygienischen Linderungsmittel und Surrogate, die der Reihe 
nach zur Erhaltung der Stockwerkshäufung eingeführt wurden und, 
außer der Verteuerung der Kleinwohnung, nicht allzugroße sichtbare 
Erfolge gehabt haben. Man sollte doch allmählich erfahren haben, daß 
es nicht richtig ist, die Menschen durch Stockwerkshäufung zusammen- 
zudrängen, um eine breite Straße oder einen breiten Innenhof zu be- 
kommenf Hierbei würde überdies, wie Sollmann, Kommunale Praxis 
vom 8. Juni 1918 richtig bemerkt, der einzige angebliche Vorteil des 
Stockwerkbaus, weniger Bodenflache zu beanspruchen, verloren gehen. 
3. Die Aussonderung von Landhausbezirken. Durch die 
Bauordnung kann vorgeschrieben werden, daß in einzelnen Bezirken nur 
eine landhausmäßige Bebauung zulässig ist, wobei außer der Einhaltung 
hder offenen Bauweise noch die Anlage größerer Freiflächen  bis zu 
zwei Dritteln der Grundstücksfläche  angeordnet wird. 
4. Die Aussonderung von Geschäfts- und Industrie- 
bezirken und Eabrikvierteln. In den neueren Bauordnungen 
sucht man die Wohnbezirke von störendem Geräusch dadurch freizu- 
halten, daß man die Anlage von Fabrik- und geräuschvollen Betrieben 
in den Wohnbezirken verbietet, dafür aber andere Bezirke für die An- 
lage solcher Betriebe freigibt und durch Gewährung einer stärkeren 
Ausnutzung der Grundstücke die Verlegung von Fabriken in diese Be- 
zirke hegünstigt.  Ferner wird mitunter die Herausbildung von Ge-
        

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