Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch des Wohnungswesens und der Wohnungsfrage
Person:
Eberstadt, Rudolph
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2930467
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2934126
310 
Vierter 
Teil. 
die Überwachung ausüben kann. Alle Wohnungen öffnen auf 
Korridore und sind oft nur durch eine einzige Treppe zugänglich. 
Anordnungen sind sehr unbefriedigend für die Mieter." 
lange 
Diese 
Als zuträgliche Lösung für den Kleinwohnungsbau verlangt Rey- 
naud den Reihenbau von Kleinhäusern für ein oder zwei Familienuund 
den Wohnhof mit Innengarten und Kleinhäusern. Die Ursachen, die 
die Anwendung der entgegengesetzten fehlerhaften Bauweise erzwingen 
und eine bessere Bauform verhindern, werden mit keinem Wort berührt. 
Reynaud ist indes wohl der erste und der letzte französische Techniker, 
der die Mängel der Kasernierung hervorgehoben und grundsätvV-"li eine 
zuträgliehe Behandlung des Kleinwohnuilgsbaues der Grqnsw: ge- 
fordert hat.  
In der Verteidigung unseres Bausystems wurde bisher mit Vor- 
liebe auf die Aussprüche von Ausländern, namentlich von Engländern, 
hingewiesen, die ihrer Bewunderung für die breiten imponierenden 
Straßen Berlins und anderer deutschen Großstädte Ausdruck gaben. 
An dieser Stelle ist der Täuschung jetzt ein Ende gemacht. Vgl. die 
Urteile, die von englischen Fachmännern nach einer 1909 unternommenen 
Studienreise abgegeben wurden. George Haw: "Unmittelbar hinter 
den breiten Straßenzügen, die die Städtebaukunst in den deutschen 
Städten geschaffen hat, findet man oft riesige Massenmietshäuser, öde 
und übervölkert. Dort wohnt der deutsche Arbeiter". Ewart G. Cul- 
pin: Bei aller Vorsorge für breite Straßen und städtische Parks 
wohnt der Arbeiter und seine Familie in einer oder zwei Stuben in un- 
gesunden Mietskasernen. Als Miete kann ein ganz Teil mehr eingesetzt 
werden als beim englischen Arbeiter im gleichen Gewerbe, und der 
englische Arbeiter dürfte dabei einen höheren Lohn erhalten und ist 
frei von direkten Steuern, die in Deutschland jeder, ob reich oder arm, 
0b jung oder alt, zu zahlen hat, der mehr als 900 M. im Jahre verdient. 
Bei all seinem Stolz auf Straßen, Parks und freie Flächen baut Deutsch- 
land schlecht für die Mehrheit seiner Bewohner"; s. R. Kuc- 
zynski: Ein englisches Urteil über deutsches Wohnungswesen, Techn. 
GemeindebL, 20. Aug. 1909, S. 15613. Es gibt keinen englischen Fach- 
mann, der in den letzten Jahren nicht die deutsche Mietskaserne auf 
das schärfste verurteilt hat; vgl. zu dem obigen noch T. C. Horsfal], 
oben S. 118; Wm. Thompson, Housing Handbook, Wm. Aldridge, 
Wiener Wohnungskongreß 1910; John Burns, Town Planning Exhibi- 
tion, London 1910; City of Birmingham Deputation on Town Development 
Report 1911; J. RamsayMacdonald M. P. (Wohnung des Durchschnitts- 
arbeiters in Deutschland weniger gut, Mietzins dabei höher als in Eng- 
land); s. Preuß. Jahrb., Bd. CXLV, H. 2, S. 333, Text und Anmerkung. 
Das 
Mietswohnungshaus 
(lälehrwohnungshaus). 
ß 70. Bei dem Mietswohnungshaus als dem Haustypus, der eine 
Mehrzahl von Wohnungen innerhalb eines Gebäudes anordnet, können 
wir zunächst äußerlich die beiden Grundformen des geschlossenen
        

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