Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch des Wohnungswesens und der Wohnungsfrage
Person:
Eberstadt, Rudolph
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2930467
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2933612
und 
Bebauungsplan 
Bodenparzellierung. 
259 
Es sei hier erwähnt, daß in Berlin inmitten des Mietskasernengebietes 
im Jahre 1904 eine Wohnstraße mit Kleinhäusern entstanden ist, und daß 
sie  was wohnungspolitisch nicht ganz belanglos ist  ihre Anlage 
dem sogenannten "Hausbesitzerprivileg" der Städteordnung verdankt. Als 
die Sozialdemokratie in der dritten Klasse bei den Gemeindewahlen vor- 
drang, ergab sich für sechs neu gewählte Stadtverordnete die Notwen- 
digkeit, die Hausbesitzereigenschaft zu erwerben. Ein wohlhabender 
Parteigenosse kaufte zu diesem Zweck ein tiefes Grundstück in der 
Prinzenallee, bebaute es indes nicht in der üblichen Weise mit einer 
Mietskaserne, sondern er legte eine Hofstraße (als Privatstraße) an, die 
zu sechs Zweiwohnungshäusern nebst Vorgärten aufgeteilt und den sechs 
neuen "Hausbesitzern" überlassen wurde. Ein Vergleich dieser Anlage 
mit den unmittelbar angrenzenden Mietskasernen zeigt, daß hier in der 
Tat ein wohnungspolitischer Fortschritt erzielt wurde, dessen Verall- 
gemeinerung, wie schon die soziale Bodenpolitik einiger rheinisch-west- 
fälischen Städte beweist, nicht etwa die Städteordnung, sondern nur das 
Berliner Städtebausystem entgegenstand.  
Anlegllng 
und 
Ausstattung 
der 
Straßen. 
A. Verkehrsstraße. 
ä 60. Die Kardinalstraßen, durch die die Grundlinien der Stadt- 
anlage hergestellt werden (oben S. 37), dienen regelmäßig zugleich als 
wichtige Verkehrsstraßen. Auch für die Stadterweiterung bildet das 
Gerüst der Verkehrsstraßen den Ausgangspunkt für die Planung der 
Geländeaufteilung. Die Anlage der Verkehrsstraße erscheint, wenn wir 
den überlieferten Anleitungen folgen, als eine einfache Aufgabe. Die 
zu stellenden Anforderungen werden uns allgemein aufgezählt: die Ver- 
kehrsstraße verlangt eine hinreichende Breite, genügende Leistungs- 
fähigkeit für die Aufnahme und die Unterbringung der Transportmittel, 
des Fahrverkehrs und des Fußgängerverkehrs, dauerbare geeignete 
Pflasterung und ähnliches. Diese üblichen Anforderungen sind indes" 
kaum ausreichend; die Anlegung einer richtigen, befriedigenden Ver- 
kehrsstraße gehört vielmehr zu den schwierigen städtebaulichen Aufgaben. 
Beobachten wir in dieser Hinsicht einen unserer bestgelungenen 
Straßenzüge, der dem Verkehr zudem besonders günstige Voraussetzungen 
bietet, die Linden in Berlin. Die Straße hat eine prächtige Mittel- 
promenade von ca. 11 m (die Rasenstreifen umgerechnet) und seitliche 
Bürgersteige von je 7-7,7O m. Die Mittelpromenade ist (Sonntags 
nach Ladenschluß ausgenommen) fast leer; der ganze Strom des Fuß-' 
gängerverkehrs schiebt sich auf den Bürgersteigen entlang; die Menschen 
drängen sich hier, während sie auf der Mittelpromenade bequem gehen 
könnten. Es zeigt sich ferner, daß an den beiden Enden des Straßen- 
zuges, an dem Palais des alten Kaisers und am Pariser Platz der Ver- 
kehrsstrorn fast plötzlich versiegt und keine gleichwertige Fortsetzung 
findet. Ahnliche Verhältnisse zeigen sich in der Tauentzienstraße und 
in anderen Zugstraßen, in den mit Schaufenstern und Läden versehenen 
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