Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch des Wohnungswesens und der Wohnungsfrage
Person:
Eberstadt, Rudolph
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2930467
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2933486
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Vierter Teil. 
straßen allgemein die Wohnstraße angewandt, wie sie als durchgehende 
Aufteilungsstraße zwischen zwei Hauptstraßenzügen oder durch eine 
größere Geländefläche durchgeführt ist. Als zweite Form zeigt sich 
die Hofgasse und Sackgasse (Ochsenfurt, Rothenburg), die in ein tiefes 
Geländestück einschneidet, öfter nur eine kurze Strecke in die Innen- 
fläche eindringend, mitunter aber von dem Durchbruch bis zur nächsten 
Querstraße nur noch durch ein letztes vorgelagertes Gebäude getrennt, 
wo dem Fußgängerverkehr vielleicht ein Durchgang durch den Hausflur 
geboten wurde. Mehrfach sind die Gassen in den schmalen Abmessungen 
geführt, die sich als "Wohngang" kennzeichnen. Im einzelnen ver- 
breitern sich die Gänge zu einer Form, die wir als "Wohnhof" ansprechen 
können, wenn ihr auch die Planmäßigkeit solcher Anlagen, wie sie in 
anderen Städten begegnet, hier fehlt. 
Da die ältere Wohnstraße zur Erschließung eines Geländestückes 
 meist durch den Grundeigentümer selber  angelegt wird, ist auch 
ihr Verlauf im einzelnen durch die Form des aufzuteilenden Grund- 
stücks beeinflußt." Sie nimmt die gerade Richtung, wo die_s angezeigt 
ist; sie wird gekrümmt oder geknickt, wo die Grundstücksgrenzen oder 
die Geländegestaltung es verlangen. Aus Willkür und ohne Anlaß wird 
die Wohnstraße nicht in Krümmungen geführt; die wechselvolle Anlage 
in den alten Städten ergibt sich aus der Anpassung an die Gelände- 
verhältnisse (wegender Schweifung der Straße und der Gebäudestellung 
s. S". 40).  In der baulichen Ausnutzung der Grundstücke zeigt die 
Wohnstraße verschiedene Formen; doch überwiegt in den Städten mit 
starker Gewerbe- und Handelsentwicklung der Reihenbau. Die Ab- 
messungen des Kleinhauses sind, wie es dem Bedürfnis und der üblichen 
"Normalisierung" der Baustelle entspricht (oben S. 45), zumeist gleich- 
artig. Neben dem Einfamilienhaus findet sich das Zweiwohnungshaus, 
dessen ältere Anlage regelmäßig die Selbständigkeit beider Wohnungen 
äußerlich erkennbar macht; das Obergeschoß besitzt seinen gesonderten 
Ausgang zur Straße, indem eine  meist steile  Treppe unmittelbar 
von der Straße nach der Oberwohnung führt. 
Den planmäßigen Bau reiner Wohnstraßen in größerem Umfang 
zeigt die Fuggerei in Augsburg, als Wohnungsstiftung im Jahre 1519 
von Jakob Fugger begründet. Die Fuggerei besteht aus mehreren sich 
rechtwinkelig schneidenden Straßen, die mit 53 Häusern besetzt sind. 
Jedes Kleinhaus enthält zwei Wohnungen, die ganze Anlage 106 Woh- 
nungen, von denen je eine im Erdgeschoß und im Oberstoek gelegen 
ist; zu der im Obergeschoß belegenen Wohnung führt jeweils eine be- 
sondere Treppe mit eigenem Eingang von der Straße. Die ganze An- 
lage ist auf einem großen Innengelände erbaut und ist von jedem Durch- 
gangsverkehr abgeschnitten; der Zugang zu den umliegenden Straßen 
wird durch Tore vermittelt; vgl. die Abbildung Handbuch, 2. AufL,
        

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