Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch des Wohnungswesens und der Wohnungsfrage
Person:
Eberstadt, Rudolph
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2930467
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2933191
Wohnungszustände. 
217 
gegangen, eine Reihe von Häusern in Berlin C und N für die Empfänger 
von Armenunterstützungen zu sperren. Die Sperre wurde damit begründet, 
daß die betreffenden Gebäude stark von Dirnen nnd Zuhältern bewohnt 
seien; man wolle vermeiden, daß Mütter mit Kindern jene Quartiere be- 
ziehen. Auf ähnliche Zustände in einzelnen Straßen von Moabit (Berlin NW) 
wurde in einer Berliner Gerichtsverhandlung vom 10. Januar 1911 sei- 
tens eines Beamten hingewiesen. Daß in den neugebauten Bezirken von 
Berlin W an gewissen Straßen und Plätzen in zahlreichen Mietskasernen 
sich Prostituierte niedergelassen haben, dürfte zur Genüge bekannt sein. 
Zu dem Vorgehen der Berliner Armenverwaltung sei bemerkt, daß die 
hervorgehobenen Gefahren für die selbständige Bevölkerung sicherlich 
nicht geringer sind als für die Unterstützungsempfänger.  In Städten 
mit Kleinhaussystem fehlt es durchaus nicht an Prostitution, doch kann 
die allgemeine Untermischung vermieden werden. 
Die Kleinwohnungen werden vielfach zum Gewerbebetrieb benutzt 
 Hausindustrie, Heimarbeit. In einem Teil der Hausindustrie 
bestehen nicht ungünstige Voraussetzungen, während bei einem großen 
Teil der Hausindustrie und Heimarbeit in den Großstädten die benutzten 
Räume unzureichend sind. 
Die Wohnungsverhältnisse in den schlecht gelohnten Heimarbeits- 
industriell sind zum Teil äußerst unbefriedigend. Vielfach sind die 
Wohnungen nach Größe und Anlage in keiner Weise für einen Ge- 
werbebetrieb geeignet, und ihre Benutzung für gewerbliche Beschäftigung 
ist direkt gesundheitsschädlich.  Auf die Gefahren, die dadurch ent- 
stehen, daß der Betrieb von Heimarbeit in infizierten Räumen statt- 
findet und daß hierbei die Krankheitskeime auf die Arbeitserzeugnisse 
übertragen werden, ist noch besonders hinzuweisen. Vgl. noch "Speku- 
lation im neuzeitlichen Städtebau", S. 25. _  
ä 51. Mit den Wohnungsverhältnissen wird der Stand der Heeres- 
tauglichkeit vielfach in Verbindung gebracht. Vor dem Kriege standen 
sich hierbei zwei Anschauungen gegenüber, von denen die eine die größere 
Bedeutung der ländlichen Bevölkerung, die andere die der städtischen 
Bevölkerung für Heeresersatz betonte. 
Die 
Ziffern 
für 
1913 
ergeben 
Die 
der 
 Tabelle 23. 
Heeresergänzung 19131).  
Berlin (von je 100 Abgefertiglen)            42,3 
Breslau, Cöln, Dresden, Hamburg (Staat), Leipzig, München 57,6 
Bremen (Staat ohne Bremerhaven)  .         .59,8 
Städte von 100-200000 Einwohnern.          62,0 
„ „ 50-100000 „          .ß1,2 
 
 
 
Tauglilchkeitsziffer von Berlin erscheint besonders niedrig. Nach 
Untersuchung von Victor Noack, Militärtauglichkeit und Berufs- 
Kuczynski, 
Statist. 
J alirb. 
Städte, 
deutscher 
XXI, 
1916, 
675.
        

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