Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch des Wohnungswesens und der Wohnungsfrage
Person:
Eberstadt, Rudolph
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2930467
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2932731
Wohnungszustände. 
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_Aus der Tabelle 5 ergibt sich, daß der l-Iaustvpus von 1-5 Woh- 
nungen noch im Jahre 1861 in Berlin der vorherrschende war, und daß 
erst seit 1875 die Mietskaserne vordringt. Seitdem geht die Tendenz 
dahin, die Abmessungen der Spekulationsgrundstücke immer mehr zu 
vergrößern. Fast die gesamte Bevölkerung wohnt jetzt in Miets- 
kasernen. Der Anteil der Grundstücke mit 1--5 Wohnungen ist Von 
33,5 Ofo im Jahre 1861 auf lllofo im Jahre 1900 zurückgegangen, und 
selbst dieser geringe Bruchteil begreift, wie das Statistische Amt hervor- 
hebt, "nicht ausschließlich eigentliche Ein- bis Fünffamilien-Wohnhäuser, 
sondern es befinden sich darunter auch nicht wenige Grundstücke, die 
hauptsächlich gewerblichen Zwecken dienen, zugleich aber Wohnungen 
für Angestellte (Portiers usw.) enthalten". Für das Wohnungswesen 
hat das überlieferte Familienhaus in Berlin in wenigen Jahrzehnten jede 
allgemeine Bedeutung verloren. In umgekehrtem Verhältnis hat sich der 
Anteil der Massenmietshauser vermehrt, und zwar wachst die Vermehrung 
parallel mit der Größe des Hauses. Infolge des Rückgangs der Kinder- 
zahl (unten  4) ergeben ferner die Ziffern der unteren Hälfte der 
Tabelle eine steigend größereZahl von Haushaltungen, also verstärkte 
Zusammendrangung der Familien im Massenmietshaus. 
Die 
Entwicklung in 
Hamburg 
sich 
zeigt 
folgender 
Ziffern reihe: 
Tabelle 
Statistik des Hamburgischen Staates, 
Hamb. Statist. Amtes.  
und freundliche Mitteilungen 
Die Verschiebungen sind bedeutende. Das kleine und mittlere 
Grundstück mit 1-30 Bewohnern, dem die Hausforrnen von dem Ein- 
familienhaus bis zum Vier- und Sechswohnungshaus angehören, umfaßt 
noch im Jahre 1885 66 Ofo aller Grundstücke; in dem kurzen Zeitraum 
von 25 Jahren bis 1910 ist sein Anteil auf öOofo der Grundstücke und 
15,7"f0 der Bevölkerung gesunken. _Die größten Grundstücke mit mehr 
als 200 Bewohnern zeigen von 1885-1905 einen Rückgang, von 1905 
bis 1910 wieder eine Zunahme der Zahl, wobei die Beseitigung der 
innenstädtischen, auf tiefen Grundstücken belegenen "Gangwohnungen" 
in Betracht zu ziehen ist. Zur Hauptform der Neubautätigkeit ent- 
wickelt sich die Grundstücksgröße von 81-400 Bewohnern; ihr gehört 
der bevorzugte Typus des Hamburger Kleinwohnungsbaus an, der so- 
genannte "Vierspänner", der auf jedem Gesehoß vier Kleinwohnungen, 
bei fünfgeschossigei" Bebauung also 20 Kleinwohnungen enthält. Von
        

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