Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch des Wohnungswesens und der Wohnungsfrage
Person:
Eberstadt, Rudolph
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2930467
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2932713
Wohnungszustände. 
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eigentlich schuld sei an der unbefriedigenden Gestaltung unserer Wohn- 
verhältnisse. Die Behauptung wird durch unsere Tabelle in bündigster 
Weise widerlegt. Nach der Zählung für 1895 standen ziemlich an der 
Spitze unserer Liste mit den günstigsten Ziffern Cöln und Straßburg, 
Städte, die seit sieben Jahrhunderten ohne Unterbrechung in ihre 
Festungswälle eingeschlossen sind. Hier (wie übrigens bei Königsberg, 
Posen, Magdeburg; s. die Anmerkung 2) zeigen sich zudem niedrigere 
Zahlen in den älteren Zählperioden, in denen die neueren Festungs- 
auflassungen noch nicht oder erst in ihren Anfängen wirksam waren. 
Gerade unsere stärksten und ältesten Waffenplätze nehmen demnach 
zwei der besten Stellungen in der Liste ein. Den Schluß mit den 
schlechtesten Ziffern bilden dagegen die offenen Städte Berlin und 
Charlottenburg, die teils niemals, teils nicht seit ihrer neueren Ent- 
wicklung Festungen. gewesen sind. Ihnen zunächst steht Breslau, dessen 
großstädtisches Wachstum ebenfalls keinerlei Beziehungen zu der Periode 
vormaliger Befestigung hat. Wir werden späterhin sehen, daß auch 
die Höhenausnutzung des Bodens in den offenen Städten außerordent- 
lich viel stärker ist als in den Festungsstädten (S. 174). Mit der über- 
lieferten Festungseigenschaft unserer Städte sind also die Wohnverhältnisse 
in keinen allgemeinen oder systematischen Zusammenhang zu bringen. 
Vgl. hierzu H. v. Wagner, Wohnungsfürsorge der 
1903, S. 1 und die Bemerkungen zu Tabelle 9, hier unten 
Stadt Ulm 
S. 174.  
Nach einer anderen Richtung aber bedarf die Gruppe 2 unserer 
Tabelle noch der näheren Betrachtung; diese Gruppe ist nämlich die 
unserer großen, rasch und gewaltig anwachsenden Industriestädte. 
Hier standen 1895 Crefeld, Aachen, Barmen, Essen,_Elberfeld, Dortmund, 
Düsseldorf; sie zeigten bei stärkstem Wachstum damals die verhältnis- 
mäßig besten Ziffern und haben z. T. noch heute gegenüber anderen 
deutschen Großstädten die befriedigenderen Wohnverhältnisse aufzuweisen. 
Es ergibt sich hier, wie vollständig irrtümlich und verfehlt die 
Behauptung ist, das Anwachsen der Industrie sei an unseren 
schlechten Wohnverhältnissen schuld; das gerade Gegenteil ist der Fall. 
Die Industriestädte, die sich eine tüchtige kommunale Verwaltung und 
eine den Anforderungen des Kleinwohnungsbaues entsprechende Bau- 
weise bewahrt haben, weisen eine sich günstig abhebende Gestaltung des 
Wohnungswesens auf.  Während der letzten Jahre sind aus anderen 
Gegenden Deutschlands die bekannten neueren Erscheinungen in die 
Industriebezirke vorgedrungen; es sind dies 4 wie z. B. die Grund- 
sätze des Straßenbaus und der Bauordnung, die Einführung des preu- 
ßischen Grundbuchs  allgemeine administrative Einrichtungen, deren 
sich der einzelne Bezirk nicht erwehren kann und die, wie kaum betont
        

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