Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch des Wohnungswesens und der Wohnungsfrage
Person:
Eberstadt, Rudolph
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2930467
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2932652
Boden. 
bebaute 
Der 
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Fehlgriffen, Erschütterungen und Krisen. Die sozial und_ volkswirt- 
schaftlich gleich schädlichen Verhältnisse wurden längst vor Eintritt des 
Weltkrieges von den Nutznießern dieser Entwicklung selber als Notlage 
und Notstand bezeichnet. Die schlimmsten Verwüstungen aber wurden 
auf verwaltungstechnischem und politischem Gebiet angerichtet. Ist die 
Zeit gekommen, diese Dinge in ihren Zusammenhängen zu betrachten 
und nach den Ereignissen der letzten Jahre ihre Bedeutung für unser 
Staatswesen zu erkennen?  
Der Grundzug der von mir vertretenen Auffassung bestand von 
Anfang an darin, bei der Bekämpfung des herrschenden Systems die 
Einrichtungen der Bodenpolitik in ihren allgemeinen Wirkungen und 
ihren Verknüpfungen zu behandeln. Daß die vorliegenden Ausführungen 
nicht erst durch die jüngste in Deutschland eingetretene Wendung ver- 
anlaßt sind und daß sie nicht nachträglich eine rückwärts gekehrte 
Prophezeiung bringen wollen, ergibt sich aus den folgenden, i. J. 1894 
geschriebenen Sätzen: „Glaubt man, daß unser Volk sich lange dabei 
"aufhalten werde, zu ergründen, wer eigentlich die schlimmen Zustände 
in der Bodenentwicklung geschaffen hat? Das alte Wort wird gelten: 
Upon the kiug! Nur auf den König; er muß alles tragen.  Verant- 
wortlich bleibt immer der Staat; denn seine Bürger sind es, die leiden, 
und in seinem Namen besteht das Recht wie das Unrecht"; Städtische 
Bodenfragen, S. 126. Vgl. ferner Neue Studien, Bd. I, S. 162 über die 
Revolutionierung der inneren Verhältnisse, und Preuß. Jahrbücher, Bd. 144, 
H. 3, S. 429 und Bd. 145, S. 331, sowie hier unten S. 306[309. 
Deutschland ist nicht einem militärischen, sondern einem moralischen 
Zusammenbruch erlegen; und nach dessen Ursachen  die zu der blen- 
denden, täuschenden Außenseite im Widerspruch stehen müssen  
haben wir zu forschen. Vorbereitet ist alles, was geschieht. Die traurige 
Entwicklung nach Kriegsabschluß hat uns zur Genüge gezeigt, daß 
der nationale Zerfall nicht durch den Stoß von außen verursacht ist. 
Wir können die Erklärung der jtingsten Vorgänge nur finden in der 
inneren Entwicklung, in dem Bereich der Umkehrungen und Gegensätze, 
wo eine durch Jahrzehnte betriebene Minierarbeit den äußerlich glanz- 
vollen Bau ausgehöhlt und das Staatswesen seiner sittlichen Stützen be- 
raubt hat. Kaum ein zweites Gebiet aber zeigt uns die Eigenart dieser 
Zustände mit solcher Genauigkeit, wie das im voraufgehenden Teil 
behandelte  ein Ausschnitt, und" trotzdem das Ganze enthaltend. 
Wie in einem Zentralpunkt, und seinen zahllosen Verzweigungen be- 
gegnen uns die verantwortlichen Kräfte, und nicht ein Zug fehlt zur 
Vollständigkeit des Bildes: der schroffe Gegensatz zwischen den Volks- 
massen und einer kleinen Oberschicht, die ihren Erwerb in den 
schädlichsten Formen der Ausnutzung suchte; die Unsicherheit und 
Unredlichkeit des wirtschaftlichen Verkehrs, in dem Krise und Schwäche 
einen Dauerzustand bildeten; die Unwahrheit und Verschleierung in jedem 
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