Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch des Wohnungswesens und der Wohnungsfrage
Person:
Eberstadt, Rudolph
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2930467
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2932554
Der bebaute 
Boden. 
153 
Mit dem Steigen des Zinsfußes ergab sich zunächst eine starke Ver- 
minderung des Kapitalwertes der Grundstücke, zu dessen Ausgleich 
vor allem die Produktienssteigerung herangezogen wurde. 
von Landgütern, Berlin 1912, 
Landwirtschaft in den Nieder- 
Vgl. Friedr. Aereboe, Taxation von 
S. 187; J. Frost, Agrarverfassung und Land 
landen, Berlin 1906.   
Auch 'bei dem städtischen Grundbesitz 
können 
die 
Einwir- 
kuugen der Zinsfußänderung in der Praxis verfolgen. Das Steigen des 
Zinsfußes hat hier jedoch nicht die Wirkung, daß der Preis des Grund- 
stücks fällt, sondern  die Mieten werden erhöht. Der Kapitalwert 
bildet also hier (wenigstens bei steigendem Zinsfuß) das feststehende, 
der Ertrag dagegen das veränderliche Element. Es findet nicht eine 
Kapitalisierung des Wertes gemäß dem Zinsfuß statt, sondern eine 
entsprechende Steigerung der Mieten. 
Während der deutschen Wirtschaftskrise des Jahres 1900 erfolgte 
der Zusammenbruch einiger großen Hypothekenbanken und im An- 
schluß an diesen eine allgemeine Erschütterung des Marktes der 
Hypothekenbankpfandbriefe. sowie ein starkes Steigen des Hypotheken- 
zinsfußes, der sich um V4 bis 10A, erhöhte. Die städtischen Massen- 
inietshäuser sind nun durchschnittlich "zu 90_960A, ihres oft nur fiktiven 
Wertes mit Hypotheken belastet. Bei einem Mietshause im Werte von 
nur 200000 M. ergibt deshalb die Zinsfußerhöhung für die Hypotheken 
schon einen jährlichen Mehraufwand von etwa 1800 M. Die Wirkung 
der Zinsfußerhöhung war nun keineswegs, daß die einzelnen von dem 
Vorgang betroffenen Hausbesitzer die Mehrbelastung trugen, sondern 
die Mieten wurden erhöht; in Berlin betrug die Steigerung für die 
Kleinwohnungen etwa 30 M. (IOM, des Mietspreises). Die Zusammen- 
hänge wurden seinerzeit in der Berliner-Stadtverordnetenversammlung 
und von anderer fachmännischer Seite eingehend erörtert. 
Vgl. den stenographischen Bericht über die Sitzungen der Stadt- 
verordnetenversammlung in Berlin 1901. S. ferner J. Schneider, 
Beschaffung von Hypotheken, Berlin 1901, S. 17: "Man geht fehl. wenn 
man glaubt, die Verteuerung des Zinsfußes der Hypotheken träfe den 
Grundstückseigentümer direkt; es ist lediglich der Mieter, der die 
Kosten zu bezahlen hat, indem die Mieten z. B. in Berlin seitdem eine 
wesentliche Steigerung erfahren haben." 
Das Geschäft des städtischen gewerbsmäßigen Hausbesitzers  
dies wird jetzt allgemein, wenn auch noch nicht mit den vollen Kon- 
sequenzen anerkannt  verlangt vor allem, daß er die sämtlichen 
Lasten des Grundbesitzes auf die Mieter überträgt. Es ist dies, wie 
ich ausdrücklich hervorheben will, nicht etwa böse Absicht, sondern 
eine notwendige Folge des oben geschilderten Systems des nominellen 
Hausbesitzes und des dadurch geschaffenen Erwerbszweiges. 
        

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