Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch des Wohnungswesens und der Wohnungsfrage
Person:
Eberstadt, Rudolph
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2930467
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2932116
und 
Der unbebaute Boden 
die Bautätigkeit. 
109 
unabwendbare Fatalität; sie ist ein Geschäft, dessen Voraussetzungen 
wir genau bestimmen und ebenso genau abändern können. 
Ich möchte hier eindringlich vor der Anschauung warnen, als ob 
man die Preisauftreibung repressiv oder örtlich einschränken könne; 
weder das eine noch das andere läßt sich in befriedigender Weise er- 
reichen. Wenn die Spekulation ein bestimmtes Gebiet ergriffen hat, 
wenn sie die ihr notwendigen administrativen und kaufmännischen Ein- 
richtungen vollendet hat, dann ist es kaum möglich, ihr durch unter- 
drückende Mittel entgegenzuwirken. Gewiß kann man für einzelne Be- 
zirke baupolizeiliche Beschränkungen vorschreiben. Indes solche Reser- 
vate lassen sich erfahrungsgemäß doch nur unter großen Schwierig- 
keiten halten. Es ist eben nicht möglich, im Wege der Baupolizei zu 
bestimmen, daß die Baustelle bis zu einem willkürlich gezogenen Strich 
60 M. für den Quadratmeter wert sein soll und jenseits des Striches 
bloß noch 15 M. Sobald wir eine Schablone des Städtebaues haben, 
die ganz allgemein dem Boden einen künstlich gesteigerten Wert ver- 
leiht, unabhängig von der Lage, dann ist es auch nicht möglich, in- 
mitten dieser Gesamtfläche eine Grenze zu bestimmen, an der die Steige- 
rung Halt machen soll.  
Es ist weiter nicht richtig, zu glauben, daß man die Bodenteuernng 
örtlich fernhalten könne. Mehrfach ist mir von Vertretern der Mittel- 
städte gesagt worden: die Großstädte sind verloren, die müssen wir auf- 
geben; für di-e Wohnungsreform kommen eigentlich nur die Mittelstädte 
in Betracht. Hierbei wird angenommen, daß die Bodenpreise in den 
einzelnen Städten sich in einer örtlich unabhängigen Weise entwickeln 
könnten. Das ist nicht zutreffend. So wenig wir die Preistreiberei des 
Berliner Bodens von Schöneberg und Friedenau fernhalten können, so 
wenig kann man verhindern, daß sie allmählich die -Mittelstädte ergreift. 
Nur die Städte bleiben von der Bodenteuerung verschont, in denen die 
Bevölkerung stagniert; alle übrigen müssen bei gleichem Bansystem in 
den Bereich der spekulativen Preisbildung hineingezogen werden. 
Die 
Richtung 
der 
Bodenspekulation, 
ä 24. Wir haben im vorstehenden gesehen, wie die schematische 
und gedrängte Bauweise dem Boden einen Mehrwert verleiht, der als 
Prämie der Bodenspekulation zufällt; Für die weitere Untersuchung 
ist nun die Richtung zu betrachten, in der die Bodenspekulation haupt- 
sächlich vorgeht. Marschiert die Bodenspekulation, wie die echte 
städtische Grundrente (die Hausplatzrente) von innen nach- außen 
(s. Tabelle 8.106) oder ist nicht ihre Marschroute wie ihre ökonomische 
Wirkung der echten Grundrente entgegengesetzt und von außen nach 
innen gerichtet?   ß 
 Wenn wir uns einer deutschen Großstadt von außen her nähern, 
so drängt sich uns zuerst eine besondere Erscheinung auf: zu äußerst,
        

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