Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch des Wohnungswesens und der Wohnungsfrage
Person:
Eberstadt, Rudolph
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2930467
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2931965
Zweiter 
Die 
Preisbildung 
der 
städtischen 
Bodenwerte. 
Einleitung. 
ä 21. Wenn wir den neuzeitlichen Städtebau in einem wesent- 
lichen Grundzug knapp kennzeichnen und seinen Gegensatz gegenüber 
älteren Zeitabschnitten hervorheben wollen, so dürfen wir den Satz 
aufstellen: der neuere Städtebau ist in allen seinen Teilen ein Problem 
der Wertbildung geworden; eine Eigenheit, die die älteren Abschnitte 
nicht oder nicht in gleichem Maße gekannt haben. 
In den voraufgehenden Perioden des Städtebaues war die städtische 
Baustelle teils gegen einen geringen Zins erhältlich (der allgemein als 
unsteigerbar galt), teils auch völlig wertlos. Bis in die jüngste Gegen- 
wart hatte der Bodenpreis jedenfalls keinen bestimmenden Einfluß auf 
die Bauweise und die Hausformen. 'Im einzelnen fanden wir, daß noch 
im 18. Jahrhundert die Baustelle einen geringeren Wert hatte, als das 
landwirtschaftlich genutzte Grundstück und daß man neben dem- Bau- 
land noch Baumaterial und Freiheiten gewährte. Ganz anders im 
neuzeitlichen Städtebau, der in allen seinen Stadien unter dem Ein- 
fluß der Wertbildung steht. Der Wert des Bodens wird entscheidend 
für die Bauweise, und die Verschiedenartigkeit der städtischen Boden- 
preise wird zur Ursache für die Verschiedenartigkeit der Hausformen 
in den einzelnen Ländern und Städten. Das fertige Haus bildet den 
Gegenstand fortgesetzter Wertbewegungen. In der Bodenaufteilung, in 
der Bodenausnutzung, in der gesamten Behandlung der Wohnungspro- 
duktion sind es die Anforderungen der Wertbildung, die einen maß- 
gebenden Einfluß ausüben. Vom volkswirtschaftlichen Standpunkt haben 
wir deshalb die neuzeitliche Bodenentwicklung zu untersuchen. 
Die Begriffe und die wirtschaftlichen Gesetze, die wir auf die 
Behandlung des Bodens anwenden, entstammen der klassischen National-
        

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