Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch des Wohnungswesens und der Wohnungsfrage
Person:
Eberstadt, Rudolph
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2930467
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2931959
Die 
Gegenwart. 
 Das herrschende System ist jedoch willkürlich entstanden; es hat 
nicht die geringste natürliche oder geschichtliche Grundlage; es ist 
undeutsch in seinem Ursprung: was unter der Erde ist, wurde aus Eng- 
land. was über der Erde ist, aus Frankreich übernommen. Die Fort- 
bildung allerdings zu dem in dem folgenden Teil zu schildernden Zu- 
stand ist unser Werk, durch das die besondere, auf Deutschland lastende 
Entwicklung herbeigeführt wurde. Wir können jede einzelne Maßregel" 
nachweisen, auf der das System beruht, jede Wirkung verfolgen, die es 
ausübt; es ist durch administrative Maßnahmen geschaffen, und wird 
durch die gleichen künstlichen Mittel festgehalten. 
Der Wendepunkt in den Auffassungen von den städtischen Boden- 
verhältnissen kann nicht herbeigeführt werden durch die Erkenntnis, 
daß unsere städtische Bodenentwicklung schlecht ist, sondern nur durch 
den Nachweis, daß sie willkürlich und abänderlich ist. Nicht 
die Schilderungen des Wohnungselendes, so ergreifend sie sein mögen, 
sondern die Klarlegung der Wirtschaftswidrigkeit und Fehlerhaftigkeit 
unseres Städtebausystems kann die Berufskreise aufrütteln und den 
Weg sachgemäßen Vorgehens zeigen. Solange der von vielen Seiten 
genährte Irrtum herrschte, daß wir in unseren städtischen Zuständen 
einer „natürlichen Entwicklung" gegenüberstehen, war allerdings nur 
günstigstenfalls die Methode der "Erträglichmacherei" möglich, die den 
Mißstand verewigt, indem sie versucht, ihn durch Eingriffe erträglich 
zu machen. Erst unter dem Nachweis, daß unser Städtebau auf einer 
Beugung der wirtschaftsgemäßen Entwicklung und auf der antisozialen 
Nachahmung der schlechten oder mißverstandenen ausländischen Vor- 
bilder beruht, wird die Bahn frei für eine Neubearbeitung, die würdig 
ist des großen Kulturgebietes, würdig auch der mächtigen Schöpfungen, 
die die Tatkraft älterer Zeiten uns vor Augen stellt.
        

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