Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch des Wohnungswesens und der Wohnungsfrage
Person:
Eberstadt, Rudolph
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2930467
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2931917
Gegenwart. 
gelangt. Der Grundriß der Kleinwohnung in seiner meist üblichen 
Form (Eberfelder Grundriß) zeigt gegenüber dem Massenmietshaus 
wesentliche Vorzüge. Infolge der Übertragung allgemein eingreiiender 
Einrichtungen (Einführung der Grundbuchordnung nach 1890 und Um- 
gestaltung des Hypothekenwesens, Maßnahmen des Bebauungsplanes 
und der Bauordnung) haben sich die Verhältnisse namentlich in den 
Großstädten des rheinisch-Westfälischen Gebietes neuerdings erheblich 
verändert. Die Entwicklung in einzelnen Städten (wie Düsseldorf u. a.) 
ist eine für das Kleinwohnungswesen ungünstige gewesen. Andererseits 
hat gerade in Rheinland-Westfalen in zahlreichen Städten und Gemeinden 
der Widerstand gegen die unbefriedigende Gestaltung des Wohnungs- 
wesens tatkräftig eingesetzt. Über die geschichtliche Entwicklung vgl. 
meine Rheinischen Wohnverhältnisse, Jena 1903.  
Neben dem vorgenannten geschlossenen Gebiete gibt es, wie kaum 
hervorgehoben zu werden braucht, noch andere Landesteile in Deutsch- 
land (namentlich in den Mittelstaaten), in denen sich selbständige 
Formen des Kleinwobnungsgebäudes auch in den Städten  von dem 
flachen Lande ist hier nicht die Rede  erhalten haben. 
Das Siedelungssystem, das in der Stockwerkshäufung seinen äußer- 
lichen Ausdruck findet,  die inneren Zusammenhänge sind an dieser 
Stelle nicht zu erörtern  hat sich in Deutschland allgemein durch- 
gesetzt. Von den neueren charakteristischen Erscheinungen ist kaum 
eine unserer Großstädte freigeblieben. Nirgends aber hat sich die Ent- 
Wicklung in solcher Schärfe vollzogen wie in Berlin, einem Mittelpunkt, 
von dem aus sowohl das Bausystem unserer jüngsten Periode, wie 
auch die damit verbundenen besonderen Geschäftsformen namentlich 
seit 1870 in entscheidender Weise beeinflußt worden sind. Hier wurde 
auch als Typus der neueren städtischen Bauweise in 
Mietskaserne ausgebildet, die, von Berlin ausgehend, 
deutschen Großstädte unterworfen hat. 
Deutschland die 
sich die meisten 
Ist dieses Bausystem auf natürliche Weise und zur Befriedigung 
eines gegebenen Bedürfnisses entstanden, dann ist es unabänderlich, 
und wir sind widerstandslos diesen schlechten Zuständen preisgegeben. 
Handelt es sich aber um ein durch freien Eingriff, nur zugunsten be- 
stimmter. Interessen geschaffenes System, so ist die Möglichkeit und 
damit auch die Notwendigkeit einer Abänderung erwiesen. Die Voraus- 
setzungen und die Richtung der Entwicklung kennen wir; es bleibt uns 
noch abschließend die Willkürlichkeit der nunmehr ergriffenen Maß- 
nahmen zu kennzeichnen. 
Die Ausbildung der Mietskaserne zu dem allgemeinen Typus der 
Berliner Bebauung fällt- in die Zeit nach 1860. Bei dem größeren 
Wachstum der Stadt hielt man für das weite, noch gänzlich uner- 
schlossene Gebiet der Stadterweiterung die Aufstellung eines allgemeinen 
Bebaunngsplanes für notwendig, der in den Jahren 1861 bis 1863 
        

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