Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Hochgebirgs- und Winterphotographie
Person:
Kuhfahl, Gustav Adolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2928653
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2929818
ein Wasserfall von oben gesehen entweder ganz unsichtbar bleibt 
oder seine Wirkung als Naturschauspiel zum größten Teil ver- 
fehlt, so wird auch ein abfallendes Gelände selten ein befriedigen- 
des Bild ergeben. Für den Bergsteiger mögen die Fernsichten von 
hoher steiler Bergeswarte noch so interessant sein, künstlerisch 
werden sie selten wirken. Wenn nicht malerische Wolkenbildungen 
oder besondere Beleuchtungseffekte von Sonnenflecken und 
Wolkenschatten auf der Erdoberfläche dazukommen, vermag die 
beste Platte immer nur als eine touristisch oder geographisch 
interessante Zeichnung, aber niemals als künstlerische Aufnahme 
zu gelten. Steile Tiefblicke versprechen dem Künstler also wenig 
Erfolg. 
Ganz anders verhält sich aber ein Gebirgshintergrund, der 
den Standpunkt des Beschauers überragt. Auf verschiedene 
Menschen wird er verschieden wirken, denn letzten Endes ist 
alle Naturbetrachtung Sache des Temperaments. Wie für manche 
Gemüter bewußt oder unbewußt die große Horizontale des Meeres 
in ihrer tausendfältigen Wiederholung an Wellen und Wolken an 
Uferlinien und Küstenformen verwandte Regungen und beru- 
higende Empfindungen auslöst, so fühlt der energische vorwärts- 
drängende Charakter sich durch den hochgetürmten Aufbau des 
Hochgebirges, durch dessen vielseitigere Wunder und ihre ge- 
heimnisvollen Widerstände vollständig gefesselt. Unter diesen 
seelenverwandten Charakteren selbst kann man vielleicht nach 
Zeit, Alter und Gelegenheit nochmals Unterschiede finden. Ihr 
aller Sehnen gilt den Bergen, dem Aufblick nach den verglet- 
scherten Höhen oder dem immer und immer wiederholten ein- 
zelnen Kämpfen um ihre Bezwingung. 
Des Abstiegs halber geht kein Alpinist auf einen Berg, auch 
die Aussicht ist ihm nicht allein das Verlockende. Beides über- 
läßt man dem Hotelgast, der die Rückfahrt auf der Zahnradbahn 
sparen will und den Abstieg bequemer findet als den Anstieg. 
Mit dem Gedanken an Berge und Höhen verknüpfen wir in 
unserem Empfinden also stets den Blick nach oben und das Streben 
nach aufwärts. Dieser Tatsache muß alle alpine Darstellung, die 
auf künstlerische Wertung Anspruch erhebt, in erster Linie Rech- 
nung tragen. 
In dem einzelnen Worte B e r g finden wir ohne weiteres den 
Begriff von Höhe, Stattlichkeit, Erhabenheit sowie von Einzel- 
figürlichkeit, Selbständigkeit und Bodenständigkeit verkörpert. 
Unbedeutende Erhebungen bezeichnet man nicht mit dem Aus- 
druck Berg und auch für die Anhäufung mehrerer Berge auf 
engem Raum oder für mehrere zusammenhängende Berge besitzt 
die Sprache andere Bezeichnungen, die den Gesamtbegriff des
        

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