Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die polnische Kunst von 1800 bis zur Gegenwart
Person:
Kuhn, Alfred
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2926470
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2928230
städtischen Kunstgewerbeschule in Warschau. Es ist einleud1tend, 
daß in einem Lande des autodithonen Holzbaus eine ausgebildete 
dekorative Holzsdmeidetedinik lebendig ist. ln Ossolin, dem Sitze 
der Ossolinski, befindet Sid] nodw eine Dedae mit dreizehn ge- 
schnitzten Balken; in Goludiow besaß der Saal eine solche, die 
aus zweiiausendfünihunderi großen und kleinen geschnitzten 
Rosen bestand. Der Plafond im Wawelsdiloß mit den geschnitzten 
Köpfen ist bekannt. Es ist weit weniger die einzelne, isolierte Plastik, 
die interessieri, als ihre Verbindung mit anderen, ihre Addierung 
zu einer Gemeinschaft. Hier lebt das alte slawisd1e Koliektivbewußt- 
sein fort. Nie ist die Figur, aud1 wo sie Freifigur ist, rund, allseitig 
aufgefaßt, immer ist ihr Reliefdiarakter gewahrt, sie sucht Sdwutz 
im Rüdwn. 
Überaus lehrreidi war die polnisdie Kapelle Szczepkowskis auf 
der Pariser Ausstellung 1 925. Sie weist das Wesen seiner Kunst sehr 
deutlidu. Auf Grund kubistisdner Flädienaulteilungsprinzipien sind 
die einzelnen Wände in sidw gegliedert, wobei die Figuren völlig 
in den Duktus des rein tektonisch Gedachten hineingenommen 
sind. Auf diese Weise ist ihnen jede Körperlidükeit geraubt, jede 
Dreidimensionalität, ja selbst jedeTastbarkeit. Das Prinzip des Reliefs 
ist bis in die letzte Konsequenz durchgesetzt. Nirgends wird über 
ein bestimmtes Niveau heraus, nirgends unter ein sold1es in den 
Blodc hineingegangen. Die gesd1lossene Masse des testen Holzes 
ist überall stark fühlbar gemacht. Daß Szczepkowski mandimal 
die Gestalten über Gebühr kubistiziert, ist eine Sadwe für sich. Seine 
Stärke liegt sidierlich in der Komponierung ganz großer Flädien. 
Man sieht ziemlidi deutlich, wo diese Kunst herkommt. Der 
immer geübte Kerbsdmitt ist alter Volkskunststil, er ist die primitivste 
Art des Schnitzens. Von ihm wird ausgegangen, er bleibt das Leit- 
motiv. Auf diese Weise diktiert das SÖIHÜZIDGSSGT die Form. 
Die Leistung Szczepkowskis ist bedeutend. Er hat das Gefühl 
für das Holz und die Gesetze des Blod(s wie wenige heute. Dabei 
ist seine Verbindung mit dem Boden ganz organisdm Nicht folklore 
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