Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Der gezeichnete Film
Person:
Lutz, Edwin George Wolter, Konrad
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2920272
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2921470
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Kapitel. 
Wie 
man 
Zeichenfilme 
macht. 
Der Künstler des Zeichenfilms braucht als Filmschauspieler 
keine wirklichen lebenden Menschen. Er braucht keine Gegenstände, 
keine Landschaften für seinen Film; statt dessen benötigt er eine 
Anzahl von Zeichnungen, die zueinander in bestimmten Beziehungen 
stehen, und deren jede im Verhältnis zur vorhergehenden und zur 
folgenden gewisse Abweichungen besitzen muß, die eine richtig fort- 
schreitende, stufenweis gegliederte Ordnung aufweisen. Diese Zeich- 
nungen legt man unter eine Kamera und photographiert sie in der 
ihnen zukommenden Reihenfolge; hierauf wird, wie bereits im 
vorigen Kapitel dargelegt, der Film entwickelt und das sich hierbei 
ergebende Negativ zur Herstellung einer Kopie verwendet. Diese 
wird ihrerseits, wie ebenfalls schon ausgeführt wurde, zur Vor- 
führung auf der Leinwand benutzt. 
Wenn man sich überlegt, daß 150 m Film, die herkömmliche 
Länge für ein humoristisches Thema, beinahe achttausend Einzelbilder 
enthalten, von denen ein jedes  in der Theorie  vom anderen 
verschieden sein muß, dann sollte man es für ein geradezu ent- 
mutigendes Unterfangen halten, derart viele einzelne Bilder für 
einen derartig kurzen Film zu zeichnen. Aber kein Zeichner fertigt 
auch nur annähernd so viele Bilder für einen Film der angegebenen 
Länge. Jeder, der diesen Kunstzweig zu erklimmen beabsichtigt, 
braucht viele Talente; deren keines aber ist für ihn so Wichtig wie 
die notwendige Geschicklichkeit, seine Arbeit so anzulegen und ein- 
zuteilen, daß er mit so wenigen Zeichnungen wie nur irgend möglich 
auskommt, um einen bestimmten Film herzustellen. 
"Trickfilmzeichner", besser, richtiger und einfacher: „Film- 
Zeichner", ist die übliche Bezeichnung, mit der man den Schöpfer 
dieses neuartigen Kunsterzeugnisses belegt hat. Außer der sehr 
wichtigen Fähigkeit, Zeichnungen Leben zu verleihen, muß er ein 
vielseitig begabter Mann sein. Zunächst braucht er, da zu jedem 
Film erst einmal ein Drehbuch, ein Szenarium, geschrieben werden 
muß  ob der Film nun ernst, belehrend oder humoristisch sei  
ein gewisses dramatisches Talent. Er mag einmal Gustav_Freytags 
„Technik des Dramas" studieren. Er muß es verstehen und fühlen, 
wie in einem guten dramatischen Aufbau die erregenden Momente, 
die Höhepunkte und die Lösungen zueinander angeordnet und pro- 
portional verteilt sein müssen. 
Handelt es sich um einen belehrenden Film, so muß er wenigstens 
eine Ahnung von pädagogischen Grundsätzen besitzen; liegt jedoch
        

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