Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Der gezeichnete Film
Person:
Lutz, Edwin George Wolter, Konrad
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2920272
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2921156
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das Publikum die Türen zu den Kellerräumen des Grand Cafe auf 
dem Boulevard des Capucines 14 zu Paris. Ein unscheinbares Plakat 
neben dem Eingang lud ein zum Besuch des „Cinematographe 
Lumiere". Die Leute lasen diese rätselhaften Worte, gingen kopf- 
schüttelnd vorüber oder  einige wenige  traten zweifelnd näher. 
Eintritt pro Person I Frank. Die Vorführung dauerte etwa 20 Mi- 
nuten; das Programm bildeten jedesmal etwa 8 bis 10 Filme von je 
rund I6 bis I7 m Länge. Nach Beendigung der Darbietung sah man 
die Besucher bestürzt oder ungläubig Wieder herauskommen; viele 
hielten das gesehene Unwahrscheinliche für irgend einen faulen 
Zauber. Manche gingen fort, suchten und trafen auf den umliegen- 
X 
Abb. 36, 37. Der Cinömatographe von Lumiörc, 1895. 
Der zur Aufnahme geschlossene Apparat Rückseite geöffnet; Einsetzen des Negativ- 
mit Kurbel auf der Rückseite. filmstreifens zur Aufnahme. 
den Straßen irgendwelche Bekannte, holten diese herbei und zeigten 
auch" ihnen das unerhörte Schauspiel. Schon nach drei Wochen 
bezifferte sich die tägliche Besucherzahl dieses kleinen Ur-Kinos 
auf zweitausend bis zweitausendfünihundert Personen. 
Einer der ersten Zuschauer berichtete in einer Zeitschrift vom 
Januar 1896 über seine Eindrücke, die er beim Besuch dieser Vor- 
führungen der Erfindung Lumieres empfing: „Eine unglaubliche 
Wirklichkeitstreue! Wenn man diesen lebenden Bildern gegenüber- 
sitzt, so fragt man sich unwillkürlich, 0b das eine Halluzination ist, 
oder 0b man einfach nur zuschaut oder 0b man nicht in diesen Szenen 
von erstaunlichem Realismus selbst mitwirkt. Bei der Hauptprobe 
projizierten die Herren Lumiere eine Straße von Lyon. Ein Wagen
        

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