Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Der gezeichnete Film
Person:
Lutz, Edwin George Wolter, Konrad
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2920272
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2921122
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absatzweise in der bekannten Art fort und exponierte die einzelnen 
Bilder immer während der Ruheperioden des Films. Er gewann 
mit diesem seinen „K i n e t 0 g r a p h" als erster Sterblicher Film- 
streifen von dem Aussehen, von der Stärke, Breite, Bildanordnung, 
Bildgröße und Perforation, wie wir dies heute vom "Normalfilm" 
her kennen. Das war Edisons Werk und Verdienst. Aber auf den 
Gedanken, diese Filmstreifen zu projizieren, kam er anscheinend 
nicht. Zum mindesten nicht für öffentliche Vorführungen. Denn er 
baute für seine Filme einen besonders vervollkommneten Betrach- 
tungsapparat, das sogenannte „K i n e t o s k o p", in dem der 
Zelluloidfilmstreifen über eine Anzahl von Rollen lief, ein oben auf 
dem Kasten angebrachtes Betrachtungsfenster passierte und durch 
eine schnell rotierende Scheibe mit mehreren Schlitzen dem Auge 
nur immer dann in Sekundenbruchteilen sichtbar wurde, wenn eins 
der Einzelbilder genau im Betrachtungsrahmen stand. Der Film 
lief hierbei nicht absatzweise, sondern gleichmäßig und wurde von 
unten her durch eine der heute allgemein bekannten, ebenfalls von 
Edison erfundenen elektrischen Glühlampen durchleuchtet. Ein 
Elektromotor trieb die Apparatur an, so bald man in einen Schlitz 
des Kinetoskops eine Geldmünze geworfen hatte: also ein Apparat 
für Schausteller, für Jahrmärkte, der gegen Kasse jeweils einem 
einzigen Beschauer den Anblick kleiner, lebender Photographien 
bot. In dieser Form war Edisons Betrachtungsapparat längere Zeit 
hindurch stark verbreitet; seit 1894 befand er sich auf dem Markt, 
fand viel Anerkennung und auch Bewunderung, vermochte sich 
jedoch die Herzen der breiten Massen nicht zu erobern, weil die 
Kleinheit der Bilder das Gefühl der Wirklichkeit nicht zu wecken 
vermochte. 
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Derartige Arbeiten, Versuche und Erfolge trugen jedoch ihren 
Wert nicht nur in sich selbst. Sie reizten die Erfinder der ganzen 
führenden Kulturwelt, indem sie ihnen Möglichkeiten vor Augen 
stellten, die bislang zwar noch nicht verwirklicht waren, die sich 
aber greifbar ahnen ließen. Das Interesse für das lebende Bild 
Wurde allgemein, das sensationslüsterne Publikum horchte auf: hier 
Waren neue, zauberhafte Dinge zu gewärtigen.  
Wer begriff als erster das nun noch Notwendige, das letzte Ziel ? 
Die Zeit war reif. Nur ein wirklicher Könner, der ebenso über ein 
gediegenes physikalisches Wissen, wie über gute technische Hilfs- 
mittel, über ein reiches photographisches Können, nicht zuletzt 
über hinreichende finanzielle Mittel verfügte, der obendrein eine 
gehörige Dosis Genialität zum Erfassen des noch Fehlenden besaß; 
Luiz 
Der gezeichnete Film. 
Walter,
        

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