Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Der gezeichnete Film
Person:
Lutz, Edwin George Wolter, Konrad
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2920272
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2921118
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Als typisches Beispiel für das soeben Gesagte bringen wir auf 
einer besonderen Tafel die Gegenüberstellung von Bildern eines 
springenden Pferdes mit einem Reiter. Die linke Spalte der Tafel 
besteht aus photographischen Momentaufnahmen von Ottomar 
A n s c h ü t z , die rechte dagegen aus Zeichnungen, die einem alten 
deutschen Bildstreifen für die Wundertrommel entnommen sind 
und aus den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts stam- 
men. Es wurden jeder Serie mit Sorgfalt diejenigen typischen 
Bilder der Sprungbewegung entnommen, die genau einander ent- 
sprechen: I. das Pferd im Anlauf, 2. im letzten Augenblick vor 
dem Absprung, 3. der Absprung selbst, 4. im Sprung über dem 
Hindernis schwebend, 5. kurz vor dem Wiederberühren des Erd- 
bodens.  Ein aufmerksamer Vergleich beider Reihen, Bild für 
Bild, läßt mit aller Deutlichkeit erkennen, mit welch bewegungs- 
mechanisch geradezu kindlichen Bildern unsere Väter zufrieden 
waren, wie falsch sie die einzelnen Phasen wiedergegeben und 
auch gesehen haben  z. B. den unmöglichen "Absprung" des 
gezeichneten Pferdes, das ohne jede Muskelarbeit ganz von selbst 
in die Höhe zu schweben scheint  und wie ungeschult ihre 
Augen waren, die bei der Betrachtung derartiger Unmöglichkeiten 
in der Wundertrommel dennoch ihre volle Befriedigung fanden. 
Hier hat die Reihen-Momentphotographie zu einem völligen Wandel 
zum naturgemäß Richtigen geführt. 
Den Weg zur Entstehung der Kinematographie verfolgend, 
dürfen wir nicht an den Arbeiten Edisons vorübergehen, der 
als fast einziger der Pioniere keine wissenschaftlichen Zwecke, sondern 
rein finanzielle Ziele vor Augen hatte, als er sich auf Anregung von 
Muybridge und vor allem von Marey dem lebenden Bilde zuwandte. 
Hier tritt zum ersten Male der geniale Techniker auf den Plan, zu- 
gleich der beruflich erfindende, smarte amerikanische Geschäfts- 
mann. Ihm war klar, daß mit der Chronophotographie Geld zu ver- 
dienen sei. Was er schuf, war seiner durchaus würdig, wenn es 
auch noch keineswegs  der Kinematograph war. Aber wertvolle 
Vorarbeit leistete Edison. Ihm verdanken wir den Zelluloidfilm 
in den Ausmaßen und mit derjenigen Perforation, wie wir den Film 
heute in der ganzen Welt für die Zwecke der Kinematographie ver- 
wendenf Eastman-Kodak lieferte ihm das notwendige Material, 
Edison gab dem Zelluloidfilm seine bis auf den heutigen Tag end- 
gültige Form. Edison schuf zunächst eine Filmaufnahmekamera, die 
als modern angesprochen werden darf. Sie schaltete das Bildband
        

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