Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Der gezeichnete Film
Person:
Lutz, Edwin George Wolter, Konrad
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2920272
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2922535
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Träge Menschen bleiben stehen und sehen einer Maschine zu, 
die bei einem Neubau tätig ist, oder sie bleiben stehen und schauen 
in die Fenster eines eifrig beschäftigten Bureaus. In alledem liegt 
etwas, das uns beweist, daß das menschliche Gehirn periodisch 
Anregung dringend braucht. 
Der Grund, daß jene grob ausgeführten Zeichenfilme, in denen 
sich schwarze Schattenfiguren mit gelenkigen Gliedern bewegen, 
so stark komisch wirken, liegt vielleicht darin, das bei ihnen die 
Figuren ihre Späße in mehr oder minder mechanischer Weise aus- 
zuführen scheinen. Windmühleneffekte, Herumwirbeln, Herum- 
drehen, Herumschwirren, Karussellwirkungen und ähnliches ist in 
jedem Zeichenfilm von erprobter Wirkung. Immer erregt so etwas 
schallende Heiterkeit, wenn es auf irgendeine Weise zeichnerisch 
bewältigt wird. 
Zuweilen sieht man in einem humoristischen Film bei einer Ver- 
folgung, wie eine wilde Jagd um ein Haus oder um einen Baum 
herum rast. Das Kreisen um das Haus herum ist, was Heiterkeit 
betrifft, sehr wirkungsvoll. Die kurze Unterbrechung, während 
der die Figuren hinter dem Hause verschwinden, bietet Gelegenheit 
zu der erforderlichen Pause bei dieser komischen Angelegenheit. 
Der Verfasser erinnert sich eines Films mit richtigen Schau- 
spielern, in dem eine Szene die Wirksamkeit des mechanischen 
Herumdrehens und den Wert einer rhythmisch erfolgenden Pause 
hinsichtlich des Lachreizes deutlich bewies. Die Szene zeigte eine 
kleine Hütte, die die Gewalt des Sturmes von ihrem Fundament 
gerissen hatte und nunmehr herumwirbelte, als säße sie mit der 
Mitte ihrer Bodenfläche auf einer Spitze. Die komische Figur des 
Films rettete sich dadurch vor der Gefahr, ebenfalls fortgeweht zu 
werden, daß sie sich an einer Ecke der Tür festhielt. Das Gelächter 
der Zuschauer war zwar ununterbrochen, kam aber in Wellen ver- 
schiedener Stärke. Schon das herumwirbelnde Haus erregte Ge- 
lächter, dieses wuchs jedoch , wenn man die drollige Figur zu sehen 
bekam, die sich an der Tür festhielt; jedesmal, wenn diese ver- 
schwand, Während sie hinter dem Hause auf dessen Rückseite herum- 
flog, nahm es ab.  
Möglicherweise wirkte diese Darstellung deshalb so vortrefflich, 
Weil ihre Bewegungsdarstellung auf das physische Bedürfnis der 
Zuschauer, ab und zu ausruhen zu können, Rücksicht nahm. Die 
durch diese Bewegungserscheinungen hervorgerufene Erregung 
Wäre unerträglich anstrengend geworden, wenn der Anreiz zum 
Lachen ununterbrochen der gleiche geblieben wäre. Der humori- 
stische Reiz wirkte in der Weise, daß kein Zuschauer gezwungen
        

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