Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Hohe Lied vom Holz
Person:
Marquard, Alfred
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2916243
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2917450
die Lage, einen eigenen Hausstand zu gründen. Weiter werden genannt 
die tignarii, die Zimmerleute und Bauhandwerker, aber auch andere 
Leute wurden in den Verein aufgenommen, so zum Beispiel in Arelate 
ein Mann, der eine Ärt von Wasseruhren verfertigte, anderswo ein 
Salbenhändler, ein Goldschmied, es wurde also nicht ganz streng der 
"hölzerne" Charakter des Verbandes festgehalten. Das Nähere über 
das Wesen und die Tätigkeit dieser Holzvereine auszudenken, ist der 
Phantasie des geneigten Lesers überlassen. 
VON 
Holzschiffen 
Der Urbeginn des Schiffbaus ist mit den ersten Bedürfnissen der Ur- 
menschen entstanden. Die Änfänge waren jedenfalls höchst bescheiden. 
Die ersten "Boote" bestanden nur aus aneinander befestigten Baum- 
Stämmen, ohne Plan und Regel zusammengesetzt. Wie lange wird der 
Mensch nur gebraucht haben, um die für den Bau von Schiffen ge- 
eigneten Hölzer herauszufinden, die Dauer, Stärke und Festigkeit 
garantierten. Die Ägypter mußten sich mit dem zähen, knorrigen 
Sykomoren- und Äkazienholz begnügen, während die Phönizier, Griechen, 
Römer und die nordischen Völker den entsprechenden Holzvorrat 
hatten, um Schiffe aus Eichen-, Buchen-, Erlen-, Eschen- und Fichten- 
holz bauen zu können. Äbbildung 5 zeigt uns den Bau eines ägyptischen 
Schiffes aus kurzen Planken. 
Die Geschichte der Schiffahrt fällt aufs engste zusammen mit der Ge- 
schichte der Kultur und der Völker überhaupt. Jahrtausendelang wurden 
Schiffe ausschließlich aus Holz erbaut, bis um die Mitte des 19. Jahr- 
hunderts eine völlige Umgestaltung eintrat. Wir können uns auch hier 
leider nur einen kurzen Blick in die überaus fesselnde Geschichte des 
Schiffbaues gestatten. Die wenigsten Menschen ahnen, welche M e n g e n 
von Schiffen die Welt schon in den Zeiten der ältesten Kultur sah. Die 
ältesten Seefahrer waren die Dhönizier, deren Schiffe schon um die 
Mitte des 2. Jahrtausends v. Chr. von Tyrus nach Sydon, nach Zypern, 
nach Rhodos, ja bis nach Nordafrika und Südspanien liefen, beladen 
mit Kupfer und Bauholz. Für Südspanien bauten die Dhönizier be- 
sonders große Schiffe, die Tertessosfahrer, von deren Lob das Älte 
Testament voll ist. Die Griechen haben schon Schiffbau nicht nur für 
sich, sondern auch für andere betrieben. Der Korinther Ämeinokles 
hatte ums ]ahr 700 schon eine Schiffswerft. Die Seefahrt des Odysseus 
ist weltberühmt. Im 5. Jahrhundert n. Chr. war die athenische Schiff- 
fahrt jedenfalls schon auf hoher Blüte, und man unterhielt lebhafte 
überseeische Beziehungen. Dagegen war die römische Schiffahrt lange 
unbedeutend, erst als nach Sullas Tod das Seeräuberunwesen un- 
erträglich wurde, als Tausende von Korsarenschiffen an den 
italienischen Küste landeten, Städte plünderten, Tempel beraubten 
und Menschen für Sklavenmärkte raubten, raffte sich Rom auf. Es
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.