Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Möbelwerk
Person:
Schmitz, Hermann
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2912199
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2912564
Italienische Möbel der Gotik 
Tafel 77-79 
Die italienische Möbelkunst des älteren Mittßl: 
alters ist, besonders in dem nördlichen Teil des 
Landes, mit der auf den gleichen Grundlagen er: 
wachsenden Möbelkunst diesseits der Alpen einen 
Weg gegangen. Von der mit dem Beginn des 15. Jahr: 
hunderts eintretenden lebhaften Gliederung und plastis 
schen Durchbildung der Möbel diesseits der Alpen 
ist die spätgotische italienische Möbelkunst nur stellen: 
weise und nur dort berührt worden, wo Beziehungen 
zum Norden bestanden, wie in Venezien, im Vero: 
nesischen und in der Lombardei. Es ist erstaunlich, 
welche plumpen Truhen und Stühle noch im Ans 
Fang des 15. Jahrhunderts in Toskana und in den 
Marken in Gebrauch waren. Der Hauptschmuck der 
aus schweren Bohlen gezimmerten Möbel waren 
Malerei und Stuckverzierung. Eine Reihe tosw 
kanischer Truhen mit figürlichen und ornamentalen 
Malereien und solche mit vergoldetem Stuckdekor 
nach spätgotischen Gewebemustern zeugt dafür. 
Neben Florenz war Siena um 1400 ein Zentrum für 
stuckierte und bemalte Truhen. Frühzeitig gingen 
die italienischen Möbelkünstler zur Verzierung mit 
Einlegearbeit in Holz, Knochen und Elfenbein 
über. zunächst nur in schmalen Friesen und kleinen 
Einsatzstiicken. Die an den italienischen Marmor, 
werken der Gotik auftretende Kosmatenarbeit in geoa 
metrischen Mustern aus verschiedenfarbigem Mosaik 
und Marmor fand ihre Parallele in der Einlegearbeit 
geometrischer Muster in Bein. Diese sogenannte Certo: 
sinaarbeit scheint Anregungen aus dem vorderen 
Orient, aus den eingelegten islamischen Möbeln, 
verarbeitet zu haben. Ihre Hauptsitze waren vermut: 
lich Venedig und lWailand. In Venedig und seinem 
Landgebiet, der Terra Ferma, hat die dem italienischen 
Möbel der Gotik sonst fremde Schnitzerei in durch; 
brochenem Maßwerk geblüht. Hier scheint die Mehr; 
zahl der mit dichtem Maßwerk durchbrochenen und 
stellenweise mit Einlegearbeit eingerahmten Truhen 
um 1500 entstanden zu sein, deren Maßwerk auf 
Beziehungen zu den geschnitzten Möbeln der Alpen: 
gebiete hinweist. In der Terra Ferma und im Vero, 
nesischen, das Etschtal aufwärts, sind Truhen und 
Kästen der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts zu 
Hause, deren Vorderwände in flach ausgestochener 
und gepunzter Arbeit figürliche Szenen und Ranken. 
ornamente in einer feinen Linienzeichnung aufweisen, 
die zum Teil schon der Frührenaissance angehört. 
FALTSTUHL AUS DEM FRAUENSTIFT 
 NONNEBERG. 14.]AHRH.
        

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