Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Künstlerische Landschaftsphotographie
Person:
Miethe, Adolf Mente, Otto
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2907900
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2908738
Beleuchtung 
So angenehm dieses ist, wenn es sich um Wiedergabe der kleinsten Einzel- 
heiten handelt, so wenig erwünscht kann unter Umständen diese Betonung auch 
der gleichgültigsten Dinge sein, wenn aus ästhetischen Rücksichten das Verlangen 
gestellt wird, das Wichtigste hervorzuheben und das Unwichtige als den Gesamt- 
eindruck verwirrend beiseite zu lassen. Hierzu wird diese Beleuchtung selten 
vorteilhaft sein. 
Es ist daher vom künstlerischen Standpunkt verwerflich, gerade diese Be- 
leuchtungsverhältnisse als die günstigsten darzustellen. Man kann vielmehr sagen, 
daß eine derartige streng seitliche Beleuchtung nur selten dazu beitragen wird, 
die Stimmung, den Eindruck der Landschaft zu erhöhen. 
Wenden wir uns mit unserem Apparat direkt gegen die Sonne, so drehen 
uns bei niedrigem Sonnenstand die Gegenstände nur ihre Schattenseiten zu, bei 
höherem Sonnenstand,und wenn die Gegenstände nur auch wenig von dieserRichtung 
sich entfernen, wird neben der ausgedehntenSchattenseite der Objekte ein lichterUm- 
riß, eine Art Aureole, sichtbar, welche die Gegenstände teilweise oder ganz umgrenzt. 
Der Unterschied zwischen dem hell erleuchteten Himmel und den hellen 
Konturen der Gegenstände einerseits und ihrem kräftigen massigen Schatten, 
der durch die dunklere Seite des Himmels wenig aufgehellt erscheint, wird sehr 
groß. Zugleich werden die Schattendetails mehr oder minder vollkommen ver- 
schwinden, kleine Einzelheiten gehen im Schatten der großen Objekte unter 
und die Zeichnung feiner Einzelheiten wird daher teils eingeschränkt, teils ganz 
hintenan gehalten werden. Also überall da, wo man die Formen und Massen 
der Gegenstände, die Umrisse und ihre Größenverhältnisse wirken lassen will, 
wo zu gleicher Zeit auch die Absicht besteht, das Hauptsächliche hervorzuheben 
und das Nebensächliche beiseite zu schieben, wird diese Beleuchtung vom rein 
künstlerischen Standpunkt aus gewisse Vorteile bieten. 
Daß dieses tatsächlich so ist, erkennen wir daran, daß die Künstler bei 
ihren Werken vielfach gerade diesem Gegenlicht vor allen anderen Beleuch- 
tungen den Vorzug geben. 
Hierzu kommt noch eins, was wir oben schon angedeutet haben; es ist 
die Art und der Grad der Luftdurchsichtigkeit, die in den verschiedenen Rich- 
tungen sich verschieden darstellt. Blicken wir der Sonne entgegen, so wird durch 
die Überstrahlung und durch die helle Erleuchtung der in der Luft schwebenden 
kleinsten Wasser- und Staubteilchen die Durchsichtigkeit der Luft herabgesetzt. 
Die Ferne erscheint in dieser Richtung stets von einem blauen Schleier über- 
zogen, den wir als Luftperspektive bezeichnen und den wir später noch näher 
kennen zu lernen haben werden. 
Dieser Schleier, der mit der Entfernung zunimmt, und der besonders dazu 
beiträgt, die Lokaltöne zu verdecken und die großen Massen als geschlossene 
Einheiten wirken zu lassen, ist es nun gerade, welcher dem künstlerisch arbeiten- 
den Lichtbildner in vielen Fällen besonders willkommen sein muß. Er ist eines 
der wenigen natürlichen Hilfsmittel, deren wir uns bedienen können, um den 
übermäßigen Detailreichtum unserer photographischen Aufnahmen auf ein der 
jeweiligen Absicht angemessenes Maß herabzudrücken (Abb. 22 und 23) und die 
"Tiefe" im Bilde zum Ausdruck zu bringen. 
4th
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.