Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Künstlerische Landschaftsphotographie
Person:
Miethe, Adolf Mente, Otto
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2907900
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2909559
der Photographie 
Ausdrucksmittel 
heit, das allmählich allgemein herrschend wurde, gewesen sind. Heute ist 
Charakter und Art des Negativs, in formaler Beziehung zum mindesten, für die 
photographische Arbeit vom künstlerischen Standpunkt aus nicht mehr von 
allein ausschlaggebender Bedeutung. Wir wissen jetzt, daß die Ausdrucksmittel, 
die uns in den modernen Kopier- und Vergrößerungsverfahren gegeben sind, 
für den künstlerischen Wert der Leistung von ungefähr ebenso großer Wichtig- 
keit geworden sind. 
Die Frage, ob scharf oder unscharf, ist von prinzipieller Bedeutung. Die S-Cllarfe fmd 
unbarmherzig scharfe und deutliche Darstellung der unwichtigsten Einzelheiten, Welche Bnder 
die mit dem photographischen Prozeß in um so innigerer Weise verbunden ist, 
je besser und vollkommener die optischen Hilfsmittel geworden sind, ist künst- 
lerisch nicht unbedenklich, und die Erkenntnis, daß in letzterer Beziehung nur 
gewonnen werden kann, wenn das Nebensächliche unterdrückt wird, und wenn 
durch die Wahl des Bildmaterials in bewußter Weise alles geschieht, um die 
störende Aufdringlichkeit der Kleinigkeiten zu beseitigen, ist unzweifelhaft 
richtig. Ob man hiermit schon im Negativ beginnen will, oder ob man diese 
Arbeit des sogenannten Softens, wie auch des Vereinfachens und Zusammen- 
ziehens ausschließlich in den Positivprozeß verlegen will, ist natürlich gleich- 
gültig. Technische Mittel hierzu sind auf beiden Wegen vorhanden, und es handelt 
sich nur darum, sie richtig und zielbewußt zu benutzen. Ob man ursprünglich 
ein scharfes Negativ erzeugt, das alle Einzelheiten wiedergibt und diese dann 
durch die Art des Kopierens bzw. Vergrößerns in, mehr oder minder weitgehender 
Weise unterdrückt, oder ob man schon im Negativ eine Zusammenfassung des 
Wesentlichen unter Beseitigung des zufällig Kleinlichen erstrebt, ist prinzipiell 
vollständig gleichgültig. Der Erfolg ist das allein Entscheidende. 
Die Frage, ob es künstlerisch an sich selbstverständlich ist, im Sinn der 
Vereinfachung den photographischen Prozeß zu handhaben, ist aber prinzipiell 
ebenfalls nicht sicher zu beantworten. Jede Art der bildenden Kunst hat ihre 
eigenen Darstellungsmittel und -möglichkeiten. Der Aquarellist arbeitet mit 
vollkommen anderen Mitteln und Techniken als der Ölmaler, dieser wieder an- 
ders als der Radierer und Steinzeichner. Es ist nicht zu billigen, wenn der Künstler 
nicht die Technik des von ihm gepflegten Verfahrens zu ihrem Rechte kommen 
läßt, und wenn er vergißt, daß die irgend einem Darstellungsmittel eigene Technik 
ihre Berechtigung in sich hat. Eine Photographie wird daher niemals dadurch 
zum Kunstwerk werden können, daß sie die Techniken anderer bildender Künste 
nachzuäffen sucht. Sie muß ihren eigenen Stil in Gemäßheit der benutzten tech- 
nischen Mittel entwickeln, und ihre Erzeugnisse werden um so wertvoller sein, 
je mehr sie, immer künstlerischen Inhalt vorausgesetzt, sich ihrer eigenen Technik 
bewußt bleibt und diese selbständig zu entwickeln sich bestrebt. 
Ob scharf oder unscharf ist zwar heute keine Streitfrage mehr, aber so 
viel ist sicher, daß die Photographie die Berechtigung hat, beide Wege zu gehen, 
und daß innere Gründe dafür sprechen, auch in der Photographie aus den gleichen 
Gründen, die der Maler geltend machen kann, auf die Darstellung des Neben- 
sächlichen zu verzichten. Daß dies auch für die Photographie berechtigt ist, 
geht schon aus der Natur ihrer technischen Mittel hervor. Durch Benutzung der
        

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