Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Forstbenutzung
Person:
Gayer, Karl Fabricius, Ludwig
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2886189
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2893300
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Streu. 
Zweck wird man Bedacht nehmen, daß das Bedürfnis zunächst durch 
diejenige Streuart gedeckt wird, die der Wald am leichtesten ent- 
behren kann; man wird diejenigen Örtlichkeiten und Bestände zu- 
erst in Angriff nehmen. die einen Streuentzug leichter ertragen als 
andere, die Menge und die Zeit, die regelmäßig zwischen zwei Nut.- 
zungen verstreichen soll, die Umlaufzeit oder den Turnus wird man 
wenigstens für diejenigen Orte möglichst beschränken, die durch die Nut- 
zung der Streu empfindlicher berührt werden als andere, und wird so 
viel als möglich die Streuabgabe in die Jahreszeit verlegen, in der sie 
am ehesten zulässig ist. 
Es ist für den Wald verhängnisvoll, daß gerade in den Gegenden mit geringen 
Böden und ungünstigem Klima, WO er die Streu am Wenigsten entbehren kann, auch 
die Stroh- und lüzttererzeugung so gering ist, daß die Streu von der Landwirtschaft 
umso dringender gefordert wird. 
Art der Waldstreu. 
Daß alle Unkrautstreu beseitigt werden kann und muß, wo sie 
ein Hindernis für die Vornahme der Verjüngung oder für deren Auf- 
wachsen ist, bedarf keiner weiteren Worte.  
Schon die grüne Aststreu kann nur selten ohne Schaden für den 
Holzzuwachs dem Wald entnommen werden. Am stehenden Baum 
liegt die Schädlichkeit der Nutzung auf der Hand. Sie besteht aber in 
dreierlei Hinsicht. Zunächst kommt in Betracht, daß die Nadeln Er- 
nährungsorgane sind und ihre beträchtliche Verminderung auch eine ge- 
ringere Ernährung zur Folge haben mulä. Ein weiterer Umstand ist der 
hohe Gehalt der jüngsten Zweige an mineralischen Salzen- 
Schon der Aschengehalt des blattlosen Zweiges erreicht, namentlich wenn 
er mit zahlreichen Knospen besetzt ist, eine Höhe, die gegen den Aschen- 
gehalt der Blätter nur wenig zurücksteht. 
Durch Verminderung der Bestandskrone wird natürlich auch die 
Bildung der Streu- und Humusdccke des Bodens beeinträchtigt. 
Wo diese zur Bodenfruchtbarkeit erforderlich ist, da muß eine weit- 
getriebene Aststreunutzung ebenso nachteilig wirken, wie die Rechstreu- 
nutzung. Endlich liefern geschneitelte Stämme, die später zu Schnitt- 
holz verwertet werden, geringe, mit eingewachsenen Ästen sehr verun- 
staltete Brettware. Das Streureißen muß daher in Beständen, die 
noch länger leben sollen, stets mit Nachteil für den Wald verknüpft 
sein. Am ehesten zulässig ist die Aststreunutzung übrigens in Fichten- 
und Weißtannenbeständen der haubaren Altersklasse, wenn sie 
innerhalb mäßiger Grenzen im Spätwinter ausgeübt und bei der Ge- 
winnung mit Schonung und Vorsicht verfahren wird. Je jünger die Be- 
stände sind, desto geringer muß das Maß der Nutzung sein. 
Die diclxthekronte Fichte und 'I'anne kann eine mäßige Verringerung der 
Bestandskrone eher ertragen als das lockere Dach des Kiefernwaldes, insbesOndßfß 
aber noch deswegen, weil in der Regel der Boden eine geschlossene Moosdevke trägf, 
die den Lärchcn- und Kiefernwäldern gewöhnlich fehlt.  Jedenfalls sollten nur dlß 
zur Yerjüngung kommenden oder in Verjüngung stehenden haubaren Bestände dazu 
benutzt werden.  
        

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