Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Forstbenutzung
Person:
Gayer, Karl Fabricius, Ludwig
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2886189
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2892269
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und 
Baumrindc 
piianzliche 
Gerbmittel. 
dem Lohschlitzer die Rindenhülle los. Eine ungebrochene, ganze Rindenschale von 
ortsüblicher Scheitlänge heißt Huppe, Rurnpe, Düte, Rolle, Schale usw. 
In F ran ke n hat sich eine Art des Rindeschälens am gefällten Holz erhalten, 
die sich von der vorigen dadurch unterscheidet , d a ß d a s K l e i n h a u e n d e r g c  
fä l l t e n S c h ä, 1 s t a n g e n nach der ortsüblichen Scheit- und Prügellänge e r s t n a c h 
d e r E n trin d u n g geschieht. Von den gefällten, entgipfelten Lohstangen wird näm- 
lich, nachdem sie zur Arbeitserleichterung in wagrechter Lage auf Schälböcke ge- 
bracht sind, die Rinde mit Hilfe eines gewöhnlichen Schnitzmessers in s eh m a l e n 
Bändern von der Länge der Lohstangen abgeschnitten, ohne vorher ge- 
kl 0 p ft z u w e r d e n. Die Rindenbänder wickelt man sogleich in sogenannte 
B ü s c h el oder Wißck cl von 60 cm Länge und 30 cm Umfang zusammen und über- 
läßt sie so dem Trocknen. 
Die S ch äl- nnd H auw e rk z e u g c weichen zwar von Ort zu Ort sehr von- 
einander ab , aber sie sind alle höchst einfacher Art. Das wichtigste Gerät ist der 
L0 hlö ffel, ein 20-30 cm langes, krummes, nach der Spitze mcißelartig abgeflachtes 
Holz oder ein derartig zugerichteter Knochen. Diesem einfachen Löiiel sind dic aus 
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Abb. 337. 
Lohlüffel 
v. d, Saar. 
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Abb. 338. 
Dillenburger 
Lohlölfel. 
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bb. 339. 
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Löffel. 
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Abb. 340. 
Eborbaeher Beil. 
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Abb.  
Wohmannsche 
Beppe. 
Eisen gefertigten vorzuziehen, und am empfehlenswertesten sind die in Abb. 337 (Loh- 
lötfel von der Saar), Abb. 338 (Lohlöffel von Dillenburg an der Lahn) und Abb. 339 
(der Wohmannsche Löffel) dargestellten. Zum Fällen und Aufästen der Stangen 
dient eine gegendübliche leichte Axt, etwa nach Art des im Odenwald gebräuchlichen 
„Eberbacher Bciles" (Abb. 340), dessen Rücken zugleich zum Klopfen der Rinde be- 
nutzt wird; auch die Wohmannsche Heppe (Abb. 341) ist ein sehr empfehlenswertes 
Werkzeug, besonders beim Schälen im stehenden Zustand. 
Die durch das Klopfen entstehende Erschütterung bezweckt ein Loslösen der 
Rinde vom Holz auch an den nicht berührten Stellen; nicht immer aber geht die 
Rinde so gut, daß sie durch bloßes Beklopfen auf der einen Seite als geschlossene 
Hülle sich ablösen läßt; dann müssen auch die übrigen Seiten des Prügels geklopft 
und der Lohschnitzcr zu Hilfe genommen werden. Das Klopfen der Rinde ist 
aber stets eine gewaltsame Maßregel, die immer Gerbstotiverlust zur Folge 
hat, da die Weißen, saftstrotzenden Rindenschichten, die den meisten Gerbstotf ent- 
halten, zerquctscht werden, worauf beim Beregnen ein stärkeres Auslaugen eifolgßll 
muß; dazu kommt, daß die geklopften Stellen sehr schnell braun werden und früher 
Schimmel ansetzen als die nicht beklopften. Wenn man weiter bedenkt, daß der 
Gerbstoffverlust, der durch das Klopfen herbeigeführt wird, auf etwa 20010 geschätzt 
wird, so wäre zu wünschen, daß das Klopfen möglichst unterlassen und; wo es nicht 
umgangen werden kann, wenigstens mit hölzernen Hämmern auf breiter Unter-
        

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