Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Forstbenutzung
Person:
Gayer, Karl Fabricius, Ludwig
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2886189
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2891466
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III. 
Holzgewerbekunde. 
Die 
zu bieten. Ein gutes Faß muß auch die Eigenschaft haben, daß der Inhalt 
darin so Wenig wie möglich zehrt, d. h. weder in tropfbarer noch dunst- 
förmiger Gestalt entweichen kann; endlich, daß das Holz dem Inhalt 
keinen Geruch mitteilt. Allen diesen Anforderungen entspricht fast allein 
das Holz der Eiche, vor allem das auf günstigem Standort erwachsene, 
breitringige (doch nicht über 6 mm Ringbreite) Holz der Stieleiche, 
das dem der engringigen Traubeneiche im höheren Alter oder aus kühleren 
Lagen unbedingt vorzuziehen ist 1). In Italien gilt besonders das Holz der 
Akazie und auch das Maulbeerholz als gutes Faßholz; weniger ge- 
schätzt ist hier das der Kastanie, der Zerreiche und der immergrünen 
Eiche.- Reichlich Eichenholz kommt auch aus Amerika nach Europa; da 
aber die Vorräte an Weißeichenholz (Q. alba) in Amerika der Erschöpfung 
entgegengehen, wird vielfach statt Weißeichenholz Rot- oder Schwarz- 
eichenholz (Q. rubra) geliefert, das für Fässer mit alkoholischem Inhalt 
geradezu unbrauchbar ist. Die Versuche, auch das Buchenholz zu 
Wein- und Bierfässern zu benutzen, können als gescheitert betrachtet 
werden. Zu Branntweinfässern verwendet man auch das Eschen-, Akazien- 
und Vogelbeerholz. 
Jedes Faß besteht aus den Dauben, den Böden und den Reifen. Aus der 
eiförmigcn Gestalt des Fasses erklärt sich, daß die Dauben in der Mitte am breitesten 
sind und gegen die beiden Köpfe abnehmen; an diesen ist die Daube aber dicker 
als in der Mitte, weil dort die Nut oder Kimme zum Einsatz der Böden sich be- 
findet. Die Daube, auf der das Faß zu liegen kommt, heißt die Lagerdaube; ihr 
gegenüber ist die Spunddaube, in der das Loch für den Spund eingebohrt ist. 
Diese beiden Dauben sind die breitesten; auch nimmt man zur Lagerdaube immer 
das gesündeste und beste Holz. Zwischen Spund und Lagerdaube beiderseits in der 
Mitte liegen die Gehrdauben; alle übrigen heißen Wechseldauben. Der Boden 
besteht meist aus drei bis fünf aneinandergezapften Dauben; er bildet bei kleinen 
Fässern eine Ebene. bei großen aber ist er einwärts gekrümmt, um dem Druck der 
Flüssigkeit besser Widerstand leisten zu können. Der Boden ist aber hier nur nach 
einer Richtung einwärts gekrümmt und stellt einen Ausschnitt aus einer hohlen Walze 
dar. Die nächste Folge hiervon ist, daß demnach die Dauben eines großen Fasses 
von verschiedener Länge sein müssen, und in der Tat sind die Gehrdauben die 
längsten, die Lager- und Spunddauben die kürzesten. Den Unterschied in der Länge 
nennt man die Gehr. 
Das Holz zu Fafadauben, Daubholz (Tauchholz, Taufeln, 
Blamiser, Binderholz, Stabholz, Faßholz) wird vielfach un- 
mittelbar in den Waldungen durch Zwischenhändler im Rohen zugerichtet. 
Man verwendet hierzu leicht- und geradspaltige, gesunde, von 
Ästen, Klüften, Fehlern und Streifen freie Stämme, die 
nach Maßgabe ihrer Stärke in Abschnitte zerlegt und dann aufgespalten 
werden. Zu den Hauptanforderungen an gutes Daubholz gehört, daß das 
Holz z ä h e und biegsam (nicht „brausch") ist , weil die meisten Dauben 
eine gewisse Bewegung ertragen müssen, und daß es gutspaltig ist. Das 
1) Das porenreiche, feinjährige, von langgestreckten, im Sehluß erwachsenen 
Stämmen herrührende Spessarter Traubeneiehenholz zum Beispiel steht, ungeachtet 
seiner leichten Bearbeitungsfähigkeit, an Güte hinter dem breitringigen und dichteren 
Stieleichenholz aus Slawonien, vom Rhein usw. zurück. Das Spessarter Eiehcnholz 
.wird deshalb vorzüglich als Stückfaß und noch stärkeresrDaubenholz geliebt, wo die 
Daubendicke einigermaßen die mangelnde Holzdichtigkeit zu ersetzen vermag.
        

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