Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Forstbenutzung
Person:
Gayer, Karl Fabricius, Ludwig
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2886189
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2890992
Zllf 
des Holzes 
Behandlung 
Verbesserung 
seiner Eigenschaften. 
395 
Erhöhung 
der 
Dauer 
im 
allgemeinen. 
Im gleichem Maß, wie es gelingt, die Dauer des verarbeiteten Holzes 
zu erhöhen, mindert sich der Holzbedarf. Da Deutschland vor dem Krieg 
seinen damaligen eigenen Holzbedarf nur zu zwei Dritteln selbst erzeugen 
konnte und jetzt ungeheure Mengen Holz an seine Feinde abliefern muEz, 
so ergibt sich ohne Weiteres die große volks- und forstwirtschaftliche 
Bedeutung der Haltbarmachung des Holzes. 
Um die Dauer des Holzes zu erhöhen, gibt es zahlreiche Vorschläge 
und Mittel; manche von diesen Maßnahmen sind bereits vor der Fällung 
des Baumes anzuwenden. Daß durch Ringeln des Baumes an seinem 
unteren Schaftteil oder durch Liegenlassen des gefällten Stammes im be- 
laubten Zustand und im Saft die beabsichtigte rasche und vollständige 
Austrocknung sich nicht erzielen läßt, wurde bereits unter 6. erwähnt. 
E. Mer verlangt nun die Entfernung der Rinde in einem Ring unmittelbar 
unter der Baumkrone, nicht wegen der Austrocknung des Schaftes, sondern 
in der Ansicht, daß der darunterliegende Schaftteil infolge der N eubildungen 
der Blätter und Triebe seines Zucker- und Stärkemehlgehalts beraubt 
werde, während eine Zuwanderung dieser Stoffe ausgeschlossen sei; hier- 
durch soll die Dauer des Holzes sich wesentlich erhöhen. 
Schon Plinius. ja sogar der Dichter Hesiod (um 800 v. Chr.) und Con- 
fuzius behandeln die Streitfrage, 0b das im Winter oder im Sommer 
gefällte Holz dauerhafter sei, ein Zeichen, daß der Unterschied 
zum mindesten nicht groß sein kann. Jedenfalls wichtiger als die Fällungs- 
zeit ist aber für die Dauer des Holzes die auf die Fällung folgende Be- 
handlung (Aufarbeitung, Austrocknung, Beförderung) und die herrschenden 
Witterungsverhältnisse. 
Alle Hilfsmittel zur Erzielung einer möglichst vollkommenen Aus- 
trocknung und zur Verhinderung der Wiederbefeuchtung des Holzes 
(siehe unter 6.) erhöhen auch seine Dauer. Langsames Austrocknen der 
Nadelhölzer muß ihre Dauer steigern, da um so größere Mengen des außer- 
ordentlich dauerhaften Hartharzes entstehen, je weniger von dem flüchtigen 
Terpentinöl verdampft. Nach den Untersuchungen von Dr. Counclerl) 
übt das Au slau gen der im Holz vorhandenen löslichen Stoffe durch Ein- 
legen des Holzes in fließendes Wasser (Flößen, Triften), nach G. J anka 
(a. a. O.) auch in Salzwasser, einen günstigen Einfluß auf die Dauer des 
Holzes aus. Jedenfalls wird dieser Vorteil nur dann ausnutzbar, wenn 
nach dieser vollen Durchtränkung mit Wasser wiederum ein vollständiges 
Austrocknen eintreten kann. In diesem Sinn und mit diesem Vorbehalt 
wirkt auch das Durchdämpfen des Holzes. 
Ein weiteres Hilfsmittel ist das Ankohlen der Oberfläche von 
Pfosten, Pfählen, soweit sie in den Boden eingebracht werden, wobei 
die Verkohlung an oHenem, großem Feuer weniger rätlich ist, da das Holz 
durch die tiefgehende Erhitzung rissig wird und solche Risse Eingangs- 
pforten für Insekten und Pilze bilden; die Stichflamme eines Gebläses 
erfüllt den Zweck vollkommener. Wo freiliegende Bretter und Balken in 
C 0 u n c 1 e 1' , Mündener 
forstl. 
Hefte 
1897.
        

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