Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Forstbenutzung
Person:
Gayer, Karl Fabricius, Ludwig
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2886189
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-2888298
Fällungs- 
und A1 
lsforxxlungsbetrieb. 
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4. Die Ansiedlung von Arbeitern im oder am Wald ist viel- 
fach mit und ohne Erfolg unternommen worden 1). Entweder ist der 
Waldbesitzer der Hauseigentümer und der Arbeiter nur Mieter 2), oder 
der Waldbesitzer hilft den Arbeitern zum Erwerb eigener Häuschen durch 
Ratenzahlung 3). Zu solchen Arbeiterwohnungen gehört meist die Gelegen- 
heit, eine kleine Landwirtschaft für den eigenen Bedarf zu treiben. 
5. Auch unabhängig vom Waldbesitzer wohnende Waldarbeiter 
werden kaum durch ein anderes Mittel mehr an den Wald gefesselt 
als durch Überlassung von Pachtland zu landwirtschaftlichen 
Zwecken. 
6. Ein wirksames Bindemittel ist ferner die G e W ä h r u n g v o n 
W a l d n u t z u n g e n gegen geringe Taxe. Der Landbewohner schlägt 
derartige Naturalnutzungen in der Regel sehr hoch an und rechnet die 
Gewinnungskosten nicht. 
Innerhalb der forstpfleglichen Grenzen ist manche Nutzung von ge- 
ringem Wert zulässig, die sich durch Überlassung an brave Arbeiter dem 
Wald zehnfach zurückvergütet: Bewilligung von Bauholz um ermäßigten 
Preis bei beabsichtigtem Neubau oder nötiger Instandsetzung von Arbeiter- 
wohnungen, Überlassung von Streu, wo ihre Nutzung vorteilhaft, Brenn- 
holz, Reisigholz, Waldweide, besonders die oft nützliche Schweineweide, 
Waldgräserei; Sammeln von Beeren, Pilzen, Samen u. dgl. 
Alle diese Vergünstigungen werden höher geschätzt, wenn sie nicht 
unentgeltlich gewährt werden. 
7. Man eröffne Aussicht auf dauernde Anstellung brauchbarer und 
anhänglicher Arbeiter als Forstschutzbedienstete, Wegwarte, 
Park- und Zaunknechte, Rottmeister usw. zur Fesselung und 
Anlockung der Arbeiter. Man befreie anderseits die Arbeiterschaft von 
allen unwürdigen Mitgliedern, dulde keinen Alkoholmißbrauch, weise 
Trunkenbolde dauernd von der Arbeit Weg und sei auf Hebung des 
Standesansehens der Waldarbeiter immer bedacht. 
8. Man errichte Holzhauerhütten und Unterkunftshäuser 
in den ferngelegenen Schlägen und Arbeitsplätzen; man stelle Zelte auf 
zum Schutz gegen Regen 4); man sorge für einfache Kochöfen zum Wärmen 
der Speisen usw.; man sorge für das nötige Verbandzeu g zur Hilfe- 
leist-ung bei Verletzungen. 
9. Man sorge dafür, daE: die Arbeiter nur leistungsfähige Geräte und 
Werkzeuge benutzen. Gilt es neue Formen einzuführen, so stelle man 
die ersten Stücke unentgeltlich  etwa als Belohnung an besonders tüch- 
tige Arbeiter  zur Verfügung. Zu bloßer Ergänzung muß ohnehin schon 
auf Grund des Tarifvertrags in der Regel eine Vergütung (3 Olo des Arbeits- 
verdienstes) gewährt werden. 
10. Durch die umfassende Fürsorge, die die Sozialgesetze der achtziger 
Jahre des vorigen Jahrhunderts im Deutschen Reich gebracht haben, 
1) Enders, Forstpolitik. S. 84. 
2) Wiener, Waldarbeiteransiedlung. Allg. F.- u. J.-Ztg. 1910, S. 142. 
3) Ph. Sieber a. a. O. 
4) Diese haben allerdings nicht überall den Beifall der Arbeiter gefunden. 
Forstw. Centralbl. 1910, S. 498. 
Vgl.
        

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